Bordun in der Grundschule?

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    • Bordun in der Grundschule?

      Hallo!

      Ich werde mit diesem Semester fertig mit meinem Grundschullehramt-Studium und habe mich entschieden meine Leidenschaft in meine Bachelorarbeit einzubringen: Dudelsack und Bordunmusik.
      Gerade überlege ich mir Unterrichtsbeispiele, um Bordunmusik den Kindern schmackhaft zu machen.
      Liederarbeitung auf Grundlage einer eintönigen Liedbegleitung, Rhythmische Bordunbegleitung mit Klangstäben, Kennenlernen von Dudelsack, Maultrommel & co, usw...

      Wie findet ihr grundsätzlich meine Idee? Völliger Humbuck oder eine wertvolle Ergänzung zum klassischen Musikunterricht?
      Fun Fact: Der Bordun wird sogar im österreichischen Volksschullehrplan erwähnt!

      Mich würde es auch interessieren welche Ideen ihr habt! Bin schon gespannt :)
      [IMG:http://i.imgur.com/0IqkC8d.png]
    • Ich find's gut!

      Wir haben im Musikunterricht in der Grundschule (das einzige Fach, von dem ich mich an irgend etwas aus der Zeit erinnere :D ) mit dem Orff-Instrumentarium definitiv rhythmisierte Quint-Begleitungen vor allem auf den Baß-Klangstäben gespiel und gelernt, dass da viele andere Töne dazupassen. Dazu muss man ja nicht mal wissen, dass das eine Quint ist - einfach nur den Sound genießen. Darüber kann man dann gut improvisieren durch z. B. Call & Response-Übungen.

      Auch die leeren Geigenseiten eignen sich, falls mal ein Kind dabei ist, das schon Geigenunterricht hat. Die leere G- und D-Saite zusammen angestrichen klingt fast wie ein Dudelsack.

      Es ist die einfachste Form der Mehrstimmigkeit – ein fester Ton und darüber eine bewegte Melodie. Von daher finde ich, dass das definitiv in die musikalische (Früh-)Erziehung gehört.
      Gruß,
      Kristof

      folk.jankristofschliep.com
      jankristofschliep.com

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      Wird man einem Dudelsack vorgestellt,
      so redet man ihn selbstverständlich so
      lange mit "Siedelsack" an, bis einem
      offiziell das "Du" angeboten wird!


      :rofl:
    • Ich finds super.
      Was ich mir gut vorstellen könnte, wäre auch eine Kombination mit Tanz.
      Irgendwie ist Tanzmusik ja ein wesentlicher Bestandteil der Bordunmusik.
      Und das könnte man ja in den Unterricht direkt einbauen, natürlich live gespielt.
      Kann dann gleichzeitig sozusagen auch eine Art Geschichtsunterricht sein -
      Disco vor 250 Jahren oder so.

      Im DDR-Lehrplan (und auch im Unterricht) kam der Begriff auch vor. Aber über
      die Bezeichnung Bordun als lange Liegetöne und die Dudelsackquint ging es auch
      nicht hinaus.
    • Ich mag die Idee auch. Dudelsackmusik ist etwas ganz anderes als moderne Musik, nicht umsonst sind Dudelsäcke seit der Renaissance immer mehr aus der breiten Wahrnehmung verschwunden. Gerade dieses Andere macht sie aber spannend und manchmal zu einem wunderbaren Gegensatz, manchmal auch zu einer tollen Ergänzung zum modernen Standard-Einheitsbrei. Wenn man's gut und lebendig rüberbringt, kann das den Kindern ganz neue Perspektiven eröffnen.

      Thomas' Idee der Disco vor 250 Jahren finde ich hervorragend, aber es ist ja noch viel mehr: Dass Dudelsackmusik weder aus Schottland kommt noch auf Schottland beschränkt ist, sondern in vielen europäischen Ländern eigenständige (und unterschiedliche!), gelebte und weiterentwickelte Tradition ist, könnte durchaus mehr zum Allgemeinwissen gehören. Man muss ja nicht mit was Bulgarischem anfangen... :D
      Planung ersetzt den Zufall durch den Irrtum.
    • Hallo dudelAri, hast du schonmal mit dem Albin Paulus darüber gesprochen?
      Ich glaube ja, dass er bereits viel Erfahrung mit Kindern hat und dir da sicher gute Tipps geben kann.


      Von meinem Lehrer(Sepp Pichler) weiß ich, dass er immer mal wieder Schulen besucht und den Kindern seine Instrumente vorstellt.
      PDH - Preiset das Hümmelchen
      You know, Internet is a dangerous thing with all that sheet music out there...
    • Hi dudelAri,
      kann Dich in Deinem Vorhaben nur bestärken! Traditionelle Musik gehört unbedingt in die Grundschulen und in die Kindergärten. Daran krankt ja schließlich der ganze Laden hier (mit Ausnahme von Bayern), daß keine Aufbauarbeit geleistet wird. Kinder sind von Haus aus neugierig und nehmen alles begeistert auf, man muß ihnen eben nur das Richtige zeigen. Wenn man ihnen Schrott gibt, nehmen sie Schrott, gibt man ihnen Wertvolles, nehmen sie eben das. Die Verantwortung liegt bei den Vorbildern, also immer feste gedudelt, getanzt und gesungen. Wenn diese Erkenntnis mal wieder durchdringt, gibt es auch eine Zukunft für traditionelle Musik außerhalb ihrer heutigen Nische.
      Vielleicht kannst Du mal aus Deinem Referendariat berichten, daß fände ich spannend! ;)
    • Ich machte erst kürzlich eine Dudelsackpräsentation für eine Grundschulklasse...

      Um den heutigen Grundschulkindern die Bordunmusik schmackhaft zu machen, würde ich persönlich mit technischen Aspekten anfangen, damit die Kinder überhaupt einen materiellen Bezug zum Instrument haben. Es ist leider so dass sehr viele Kinder heute den Unterschied zwischen Flöte und Rohrblattinstrument gar nicht kennen! Ich habs so gemacht; eine Tin Whistle und ein Primitiv-Rohrblatt aus einem Cocktail-Trinkhalm haben das Funktionsprinzip einfach und anschaulich dargestellt, man kann auch jene Trinkhalme verteilen so dass jedes Kind eine funktionierende Tröte selber "kauen" und durch Zusammenstecken oder Abschneiden "stimmen" kann. Eventuell könnte man auch einen bloßen Sackpfeifenbalg ohne Spielpfeife und Bordune mitbringen, so dass die Kinder das Ding in den Händen halten und quetschen könnten - das alles sind physische Erfahrungen die eigentlich notwendig sind um überhaupt einen Bezug zum Wort "Dudelsack" zu entwickeln.

      Ich hatte zwei Rohrblatt-Instrumente dabei, ein Hümmelchen und eine Markt-Rauschpfeife; diese habe ich dann in ihre Bestandtile zerlegt ohne die Rohrblätter anzufassen, die Kinder dürften die Blätter betrachten. Unterschiede zwischen Doppel- und Einfachrohrblättern erläutert, Windkapsel auf die Markttröte drauf, jedes Kind konnte dann die Finger auf die Tonlöcher legen und die Innenbohrung der Pfeife anschauen (gegen das Licht bzw. Sonne halten). Rindsleder, Wendenaht, Knochenleim, das sind alle sehr unterhaltsame Details zu denen viele Kinder was zu erzählen haben. ;)

      Und erst dann habe ich was vorgespielt. Der Vorteil des Hümmelchens ist dass man den Bordun leicht umstimmen und in mehrere Tonarten spielen kann, die jeweilige Klangfarben-Änderung des Ganzen ist für Kinder vorerst unverständlich aber total faszinierend, und genau hier würde ich dann Liedbegleitung, Klangstäbe, Orff-Instrumentarium usw. einsetzen, mit dem Ziel denselben Klang-Effekt zu erreichen wie der Dudelsack den man gerade gehört hat. Trinkhalm-Pfeifen und Luftballons = Platerspiel! Zwei Trinkhalme auf einmal im Mund = Aulos! Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

      PS: Ich musste leider feststellen dass die Kenntnis der klassischen deutschen Volkslieder bei vielen Kindern viel zu wünschen lässt. :(
    • YEAH!!!!

      Großartig. Von vielen skandinavischen Freunden wissen wir (DK, SE, NOR), daß dort "Schulkonzerte" mit traditioneller Musik vom Staat finanziert und organisiert werden. Mattis Branschke hat mit der dänischen Band Svöbsk im Rahmen der Folkbaltica im Mai 2 Konzert vor je 400 Kindern gespielt und wurde von der Begeisterung schlicht weggeblasen.

      Und da komme ich zu einem für mich ganz wichtigen Punkt: Ich finde, wenn man wirklich einen Funken entzünden möchte (was ich wollen würde), würde ich die Disco vor 250 Jahren in den Vordergrund stellen und dann alles Theoretische erklären. Ich halte live-Musik mit guten Leuten (z.B. Dir und noch jemand zweiten :-)) für den besten Anfang für solchen Unterricht.

      Ich habe seit ca. 2 Jahren die Idee, hier in Berlin in irgendeiner Form eine Art "Exotenmusikinstrumentenkarusell" an Schulen zu bringen, aber bisher scheiterte es an der Zeit, ein Konzept und eine Finanzierung auszuarbeiten, denn die Schulen selbst haben, wenn man einfach hingeht, null Interesse. Die Kinder aber schon! Vielleicht ist auch das eine Idee: Den Klassen einen Nyckelharpaspieler, einen Drehleierspieler und einen Dudelsackspieler vorstellen - ich bin sicher, daß sorgt für Nachwuchs.

      Danke, daß Du das Thema hier nochmal angesprochen hast, ich sollte es im Herbst mit meinem Karusell nochmal angehen....

      Merit
    • Ari ist im Moment wohl ziemlich mit seiner Abschlussarbeit beschäftigt – die nicht über den Bordun in der Grundschule gehen wird.

      Der Ansatz ist gut, scheitert aber an den Prüfungsauflagen z. B. zum Thema "Sekundärliteratur", er muss mindestens soundsoviele Quellen angeben. So viele Quellen gibt es aber zu dem Thema gar nicht. Das hat er mir zumindest neulich in Radis erzählt.

      Und da sag noch einer, es müsse mehr interessanten Musikunterricht geben, wenn es an so etwas scheitert. Allerdings muss man ja keine Bachelorarbeit schreiben, um das Thema in der Praxis trotzdem umzusetzen :)
      Gruß,
      Kristof

      folk.jankristofschliep.com
      jankristofschliep.com

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      Wird man einem Dudelsack vorgestellt,
      so redet man ihn selbstverständlich so
      lange mit "Siedelsack" an, bis einem
      offiziell das "Du" angeboten wird!


      :rofl:
    • Hey ihr Lieben,

      Danke für die tollen Ideen und Gedanken! :)

      Wie schon Kristof gesagt hat, kann mein Thema leider nicht umgesetzt werden. Leider gibt es eine Mindestanzahl von Quellenangaben die ich benötige, somit musste ich doch zu einem konventionellen Thema wechseln. Schade. Aber das hängt mich nicht davon ab, den Dudelsack in meiner zukünftigen Lehrerpraxis einzusetzen :) Ich habe schon öfter den Dudelsack in Volksschulen vorgestellt - die Kinder reagieren immer super! Es gibt jedoch immer 3-4, die sich die Ohren zuhalten :) Aber wenn es dann darum geht, das Instrument auszuprobieren sind gleich alle Hände oben :D

      Aber echt schade, wäre eine lustige Arbeit gewesen.

      Liebe Grüße

      Ari