Tradsch

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Hallo zusammen,

      "Tradsch" heißt: Traditionelle Musik zurück an die Schulen!

      Nachdem es schon mehrere Beiträge bezüglich des Themas "traditionelle Musik zurück in Kita und Grundschule" gegeben hat, sogar Examensarbeiten zum Thema angestrebt waren und es wohl einige Junglehrer hier gibt, die da mal was probieren möchten, halte ich es für die richtige Zeit, die Leute zusammen zu bringen! Ich selbst bin nun seit über 30 Jahren Privatmusiklehrer in der mittelhessischen Provinz und muß erleben, daß Tradition in jeglicher Hinsicht verschwindet. Schüler/innen in meiner Gegend lernen ihr erstes Volkslied, wenn i c h es ihnen beibringe oder überhaupt nicht. In der Schule gibt es nur Bum-Bum-Mukke von CD, die sogenannten Musiklehrer sind fachfremde Aushilfen oder es gibt überhaupt keinen Musikunterricht. Es gibt Schrummelkurse, bei denen jeder die Lust auf Weitermachen verliert, die beim OBI für 50,- Eurer gekauften Müll-Gitarren in der (verdienten) Ecke landen und dann noch das übliche Blech- und Sängervereinsgedönse, bei dem der Altersdurchschnitt zwischen 70 und Scheintot liegt.
      Hier besteht Handlungsbedarf? Jaaahh!!!

      Ich sage immer: Was man Kindern anbietet, nehmen sie begeistert auf. Bietet das Richtige an! Z.B. Trad.!

      Und hier geht es los: Es haben sich schon einige zum Thema im Forum geäußert. Ich würde es begrüßen, wenn wir hier einen thread entwickeln könnten, der Ideen sammelt, vielleicht auch eine Liste von engagierten Leuten hervorbringt, vielleicht ein Treffen derselben herbeiführt. Es muß ja nicht immer gleich ein Verein sein, gelle! Hat jemand schon Erfahrungen gemacht? Wie reagieren die Schulleiter? Gibt es schon irgendwo eine funktionierende Folk-Gruppe?

      Viele Fragen, Eure Antworten! Ich bin selber nicht im Schuldienst, aber Ideen könnte ich beisteuern. Schaun wir mal, was daraus wird, es ist ein Anlauf.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von lego () aus folgendem Grund: Dreckfuhler

    • :dafuerschild:

      Meine allererste Idee wäre der Lehr- bzw. Bildungsplan-Check Euren jeweligen Bundeslandes.

      Da ich aus Sachsen komme, ist in meiner Arbeit der Sächsische Bildungsplan bindend, wobei auf der Seite 100 unter dem Punkt 2.4.3 alles steht, womit ich als Pädagoge Volksmusik in KiTa/Hort einwandfrei legitimieren und begründen kann. Darin sehe ich kein Problem, und aus persönlicher Erfahrung kann ich bestätigen dass selbst Hümmelchen in der Krippe bei den Ganz Kleinen super ankommt.

      Wesentlich kritischer sind unsere Schullehrpläne für Grund - und Mittelschule... :thumbdown:

      Nehmen wir Grundschule. Unter der Sparte "Ziele und Aufgaben" steht das Kennelernen verschiedener Stilepochen (erfahrungsgemäß handelt es sich im Unterricht fast immer um Barock und Klassik) und der Musik verschiedener Kulturkreise. Ferner wird die Ausbildung musikalischer Kompetenzen angesprochen, wie Gesang, Spielen auf Musikinstrumenten, Tanz, eigenständiges Erfinden von Melodien, und, ich zitiere: "das Weiterentwickeln der Wahrnehmungsfähigkeit mit dem Ziel des bewussten musikalischen Hörens und das Auseinandersetzen mit Werken der deutschen und europäischen Musikkultur" Die Kriterien der Auswahl der Melodien sind auf der S. 3 zu finden, "Musik in Europa" und "Musik in der Zeit", mit einem ausgeprägt internationalen Flair der Empfehlungen zur Lied- und Werkauswahl in der Grundschule


      Dieser Plan bedenkt deutsche Volkslieder nur mit zwei Worten: "deutsche Musikkultur". Jedem Lehrer bleibt im Grunde selbst überlassen was er darunter versteht. Und da wir zu Zeit eh Lehrermangel haben, lassen sich Bach, Mozart und Beethoven wunderbar doppelt verkaufen, als deutsche Musikkultur und Stilepochen-Studium. Spart Zeit und Unterrichtsstunden. :(

      Das alles schlägt jedoch dieser Satz, Zitat: "Dazu knüpft der Musikunterricht an unterschiedliche vorschulische und außerschulische musikalische Erfahrungen an und bezieht diese ein." Es wird quasi vorausgesetzt dass es diese Erfahrungen tatsächlich bei allen Kindern gibt... 8|

      Der Lehrplan der Mittelschule unterscheidet sich inhaltlich wenig vom Grundschullehrplan, er ist vom Umfang her bedeutend kürzer, dort finden wir aber Hinweise auf die Rolle der Musik bezüglich der Herausbildung kultureller Identität, die Wichtigkeit von regionalen Traditionen und der grundlegenden Inhalten der nationalen Musik.


      Zusammenfassend....

      Das deutsche Volkslied ist nirgendwo explizit präsent. Es werden zwar Begriffe wie "deutsche Musikkultur" und "grundlegenden Inhalte der nationalen Musik" gebraucht, was man darunter verstehen soll ist völlig unklar. Regionale musikalische Traditionen (= Volksmusik schlechthin!) werden im Grundschullehrplan überhaupt nicht erwähnt (wo sie eigentlich hin gehören!) und erst in der Mittelschule mit einem einzigen Satz gewürdigt. Und letztendlich entsteht der Eindruck als würden musikalische Vorerfahrungen für jedes Schulkind einfach mal vorausgesetzt, so dass man als Schule keine Zeit mit den Grundlagen verschwenden sondern sofort zur fortgeschrittenen Theorie übergehen kann. :S

      Dieser Grundschullehrplan sollte ÜBERARBEITET werden! :imhoschild:
      Es braucht keine großartigen Veränderungen, es würde auch reichen wenn es lautet: "das Weiterentwickeln der Wahrnehmungsfähigkeit mit dem Ziel des bewussten musikalischen Hörens und das Auseinandersetzen mit Werken der deutschen und europäischen Musik- und Volksliedkultur." Auch müsste hier das Internationale zu Gunsten von deutschem Volksliedgut schlichtweg reduziert werden.


      Und das alles nur in Sachsen...
    • Danke, Gregorius, für diesen Einblick. Einen gewissen Handlungsfreiraum scheint es ja trotzdem zu geben.

      Wie gesagt, bin ich nicht im Schuldienst, habe aber die „Allgemeinbildenden“ als Privatlehrer immer etwas im Blick. In Hessen gibt es für die Primarstufen ein sog. Kern-Curriculum, also einen übergreifenden Lehrplan sozusagen, der von den einzelnen Schulen jedoch noch weiter konkretisiert werden und zu einem schulinternen Curriculum weiterentwickelt werden kann. Der Aufnahme von traditioneller Musik, Volkliedersingen oder Bordunmusik in den Regelbetrieb stünde also auch kein wirkliches Hindernis im Wege. Allein es fehlt mit Sicherheit an willigen und entsprechend ausgebildeten Lehrkräften. Die heutigen Junglehrer sind alle in der volksliederfreien Zeit aufgewachsen und ausgebildet worden. Es wäre wahrscheinlich eine Anfangsarbeit, Schulen für das Thema überhaupt zu sensibilisieren.

      Man könnte vielleicht irgendwo ein Anfangsprojekt starten, dokumentieren und publizieren, in Konferenzen bekannt machen o. ä.

      Einen guten Ansatzpunkt finde ich auch im “Rahmenplan der Grundschule Hessen“
      (kultusministerium.hessen.de/si…enplan_grundschule_95.pdf)
      auf S. 20 ff unter Punkt 1.6 Erfahrung mit Spiel und Bewegung. Das Tanzen finde ich einen guten und wichtigen Einstieg für die Kleinsten, um überhaupt zu merken, daß traditionelle Musik einen Haufen Spaß machen kann!
      Ein paar schöne Beispiele aus Österreich habe ich hier bei dancilla gefunden:
      dancilla.com/wiki/index.php/Kategorie:Kindertanz

      Schönen Sonntag noch allerseits!
    • Moin zusammen,

      schön erstmal, dass nach den ersten Gedankenaustauschen sich bei mehreren Leuten das Interesse abzeichnet, am Thema zu arbeiten.

      In meiner Wahrnehmung ist nicht der Bildungsplan (so heißen die Dinger in HH) der Kern des Problems, sondern eine gesellschaftliche Tendenz. Ich muss mal ein bisschen ausholen.

      Wie ich in meinem anderen Beitrag bereits schrieb, kam mir als Jugendlicher bei einem Schottlandbesuch die schreckliche Erkenntnis, dass ich "als Deutscher" nur rudimentärst über eigene Kulturkenntnisse verfügte. In den nunmehr fast 20 Jahren habe ich versucht, für mich und mit vereinzelten anderen dagegen zu wirken. Es tut gut und zieht auch gewisse Kreise.

      Nun ist ja erstmal nachrangig, woher diese allgemeine Kulturlosigkeit - bei uns bezogen auf Volksmusik - kommt. Fakt ist, dass diese heute total unpopulär ist und man seine kulturellen Bedürfnisse mittels anderer Kulturen (Reggae, türkische Folklore, Rap,...) auslebt. Diese Selbstvergessenheit spiegelt sich letztlich nur in den Bildungs- / Rahmen- / Lehrplänen wieder. Von daher fände ich es das Pferd von hinten aufgezäumt, würden wir mit einer Novellierung dieser Pläne beginnen wollen.

      Ich denke, dass Gregorius schon ganz richtig mit seiner Idee lag, eine Art kanonische Zusammenstellung von Liedern zu erstellen, die man konkret und praktisch erstmal verbreitet. Kritisiert hatte ich daran nur, dass mir die Zusammenstellung zu beliebig erschien.

      Inhaltlich müsste es m.E. auf folgendes hinauslaufen:

      - Ziel ist die Erstellung eines Liederbuches, vielleicht erstmal -heftes
      - Gegliedert ist dies in thematische Bereiche (Kinder-, Jahreskreis-, Arbeits-, historische Lieder, ...; Tänze!!)
      - Zu jedem Lied /Tanz sollte es einen Kommentar mit Vorschlägen zur Praxis geben (Kanon, Zupfmuster für Gitarre, Rhythmusbegleitung, ...)
      - Ist so eine Sammlung einmal fertig gestellt, kann man sowohl informell damit loslegen (jeder Lehrer nimmt eine umfassende und einsatzbereite Materialsammlung mit Kusshand) ABER AUCH das ganze Ding in den Plänen verankern, indem man es an die Landesinstitute für Lehrerbildung (wie auch immer die außerhalb HH heißen) heranträgt. Dort könnte man sogar FoBi dazu organisieren usw.

      Alternative Idee: Ein Freund hat damals im Referendariat eine Unterrichtseinheit zur Panamericana gemacht. D.h.: er hatte eine Werkstatt mit Material, das von den nördlichsten Regionen beider Amerikas bis nach Süden die verschiedensten Musiken mit Liedern, Rhythmusübungen, Instrumentenkunde, Tänzen vorstellt.
      Das Ganze schwebt mir ewig lange schon als "musikalische Deutschlandreise" vor, in die man ja auch historische Lieder und Tänze wunderbar einfügen könnte.

      Was auch immer. Ich denke, dass man sich mit Interessierten aller Art (nicht nur Lehrer, auch Künstler, Instrumentenbauer,...; wir werden ja auch Referenten und FoBi-Leiter brauchen) mal auf ein Brainstorming zu einem konkreten Produkt treffen sollte. Bzw. vielleicht kann man ein solches Brainstorming /Clustering auch zunächst auf einer virtuellen Ebene leisten, um die wertvolle analoge Zeit dann für weitergehende Maßnahmen zu haben.

      Auf eine konstruktive Diskussion!

      Gruß
      Leif
    • dinorider61 schrieb:

      Einen gewissen Handlungsfreiraum scheint es ja trotzdem zu geben. ... Der Aufnahme von traditioneller Musik, Volkliedersingen oder Bordunmusik in den Regelbetrieb stünde also auch kein wirkliches Hindernis im Wege.
      Das ist richtig. Mein Hauptproblem mit den Plänen ist 1). Schwammigkeit der Formulierungen und 2). Es wird viel einfach so vorausgesetzt! Zum Einen erlauben die Schwammigkeiten dass die Schulen den Musikunterrricht möglichst schnell und günstig über die Bühne bringen und zum Anderen werden grundlegende musikalische Erfahrungen (wozu eben Volksliedgut gehört) bequem auf die Eltern bzw. die KiTa abgewälzt. Diese "Schlupflöcher" gehören m.E. nach gestopft - wenn nicht, werden viele Schulen an Veränderungen einfach kein Interesse haben.
      Es ist mir aber absolut klar dass Bildungs- bzw. Schulpläne nur ein Teil des Ganzen sind.

      dinorider61 schrieb:

      Die heutigen Junglehrer sind alle in der volksliederfreien Zeit aufgewachsen und ausgebildet worden. Es wäre wahrscheinlich eine Anfangsarbeit, Schulen für das Thema überhaupt zu sensibilisieren.Allein es fehlt mit Sicherheit an willigen und entsprechend ausgebildeten Lehrkräften.
      Fakt. Leider. ||

      Pannekowski schrieb:

      Nun ist ja erstmal nachrangig, woher diese allgemeine Kulturlosigkeit - bei uns bezogen auf Volksmusik - kommt. Fakt ist, dass diese heute total unpopulär ist und man seine kulturellen Bedürfnisse mittels anderer Kulturen (Reggae, türkische Folklore, Rap,...) auslebt. Diese Selbstvergessenheit spiegelt sich letztlich nur in den Bildungs- / Rahmen- / Lehrplänen wieder. Von daher fände ich es das Pferd von hinten aufgezäumt, würden wir mit einer Novellierung dieser Pläne beginnen wollen.
      Ich würde eine Planüberarbeitung eher schleichend gestalten, parallel zur eigentlichen Arbeit mit Volksmusik :)
      Da ich das Phänomen der Kulturvergessenheit in Bezug auf Volksmusik auch in einem anderen Land erlebt habe, sehe ich da gewisse Parallellen. Was hat Deutschland und Russland in Bezug auf das Volkslied gemeinsam? Professionalisierung! Der Begriff "Volksmusik" und die dazu gehörige Praxis ist bei uns schon lange vom Volksschlager vereinnahmt worden, welcher mit dem echten Volkslied nur sehr bedingt was zu tun hat und auf eine eher spezifische Zielgruppe ausgerichtet ist. Bei den Russen ist seit den 1950er Jahren genau dasselbe passiert, Volksmusik wurde durch hochprofessionelle Opernsänger auf der sowjetischen Bühne zu einer akademischen Kunstform hochgezüchtet, die mit eigentlicher Volkskunst nichts mehr am Hut hatte. Es ist eigentlich kaum überraschend dass diese professionellen Kunstformen besonders bei den Jüngeren so unpopulär sind...

      Von diesem status quo ausgehend, müssten wir diese Gleichsetzung wieder rückgängig machen und eine klare Linie zwischen echter gelebter Volksmusik und der Volksschlager-Kunstform ziehen. Das Liederbuch bzw.-heft (siehe Zitat unten) wäre doch ein sehr geeignetes Propagandamittel dafür. ;)

      Pannekowski schrieb:

      - Ziel ist die Erstellung eines Liederbuches, vielleicht erstmal -heftes
      - Gegliedert ist dies in thematische Bereiche (Kinder-, Jahreskreis-, Arbeits-, historische Lieder, ...; Tänze!!)
      - Zu jedem Lied /Tanz sollte es einen Kommentar mit Vorschlägen zur Praxis geben (Kanon, Zupfmuster für Gitarre, Rhythmusbegleitung, ...)
      - Ist so eine Sammlung einmal fertig gestellt, kann man sowohl informell damit loslegen (jeder Lehrer nimmt eine umfassende und einsatzbereite Materialsammlung mit Kusshand) ABER AUCH das ganze Ding in den Plänen verankern, indem man es an die Landesinstitute für Lehrerbildung (wie auch immer die außerhalb HH heißen) heranträgt. Dort könnte man sogar FoBi dazu organisieren usw.
      Ein Liedheft mit GEMA-freiem Volksliedgut finde ich auch absolut notwendig!
      Meine Liste war primär für mich persönlich gedacht, sie war und ist verbesserungsbedürftig. ^^

      Grüße
    • Hallo,

      ein Buch, wie von Leif beschrieben, gibt es bereits:
      Der kleine Singvogel - Das Musikwerk für die bayrische Grundschule
      Ansbacher Verlagsgesellschaft mbH & Co, Schulbuch KG
      ISBN-3-88388-300-0

      Es wurde, glaube ich bis Mitte der 80er neu aufgelegt. Das wollte ich hier mal lobend herausstellen, weil man es fast 1:1 übernehmen könnte. Antiquarisch gibt es das z.B. noch hier, falls jemand es haben will:
      amazon.de/kleine-Singvogel-Hans-Amann/dp/3980233219

      Obwohl man auch in Bayern allgemein den Rückgang von Kultur, Brauchtum, und Mundart beklagt, ist es dort für meine Begriffe immer noch das folkloristische Paradis :) Vielleicht findet sich ein Forenmitglied, daß sich in der aktuellen bayrischen Grundschullandschaft auskennt und sagt mal etwas dazu!

      Weiterhin ist mir noch folgendes Projekt aufgefallen:
      primacanta.de/

      Ansatzweise finde ich das nicht schlecht. Aber da stecken Musikhochschulen und Staatstheater dahinter und ich fürchte, die wollen nur unter dem Deckmäntelchen der Frühförderung Talente sieben, denn um Folklore geht es dabei nicht.

      Was die Schwammigkeit der Formulierungen in Texten der Schulbehörden betrifft, fällt mir noch folgendes Zitat aus dem Rahmenplan der Grundschulen Hessen (Punkt 3 Zur Verbindlichkeit des Rahmenplans) ein:

      „Nicht jede Schule, nicht jede Lehrerin und jeder Lehrer wird sämtliche Anforderungen des
      Plans sofort und komplett erfüllen können. Vielmehr sind Gestaltungs- und Veränderungsprozesse
      in Gang zu bringen, die die Umsetzung des Rahmenplans zum Ziel haben.“

      Na dann!
    • dinorider61 schrieb:

      Weiterhin ist mir noch folgendes Projekt aufgefallen:
      primacanta.de/

      Ansatzweise finde ich das nicht schlecht. Aber da stecken Musikhochschulen und Staatstheater dahinter und ich fürchte, die wollen nur unter dem Deckmäntelchen der Frühförderung Talente sieben, denn um Folklore geht es dabei nicht.
      Natürlich, denn deutsche Theater haben vom Staat einen Kulturauftrag. Da braucht es kein Deckmäntelchen, aber „Talente sieben“ findet so definitiv nicht statt. Die Musikhochschulen haben auch so für etwa 7 Studienplätze pro Jahr 700 Bewerber von denen etwa 150 zur Aufnahmeprüfung eingeladen werden.
      Ich war einer der Glücklichen, die in Hannover so einen Studienplatz bekommen hat und danach neun Jahre mit Festvertrag am Theater gesungen hat. Und ich bin schon so alt, dass in meiner Kindheit und Jugend durchaus Volkslieder gesungen wurden. Aber meine Stimme eignet sich nun mal mehr für Wagner. Das liegt sicher nicht an fehlender oder fehlgeleiteter Frühförderung, sondern schlicht an meiner Physiognomie.
      Gruß,
      Kristof

      folk.jankristofschliep.com
      jankristofschliep.com

      ____________________________

      Wird man einem Dudelsack vorgestellt,
      so redet man ihn selbstverständlich so
      lange mit "Siedelsack" an, bis einem
      offiziell das "Du" angeboten wird!


      :rofl:
    • Eine gewisse geleitete Frühförderung mit Weiterleitung in die V.d.M.-Schulen + Jugend musiziert sind der klassische Fahrstuhl in die Musikhochschule und nicht in die Volksmusik. Aber wie Musikhochschulen zu ihrem Nachwuchs kommen, sollte bitte nicht in diesem thread erörtert werden, das ist ein anderes Thema. Jedenfalls ist mir bei aller Berichterstattung zu primacanta das Wort Volkslied noch nicht untergekommen...
    • Ich hätte vielleicht einen Vorschlag wie man dem Thema deutsche Volksmusik eine "Initialzündung" verpassen könnte...

      Zu Zeit existieren Volkslieder in unserer Gesellschaft fast nur in Form des Kinderliedes und Volksschlagers. Sowohl die Zielgruppe als auch der gesellschaftliche Kontext sind sehr schmal, entweder sind es einfachste Zweizeiler für 3-6-jährige Kinder mit entsprechend einfachen Texten, oder es sind volkstümlich angestrichene Schmonzetten wo jedes dritte Wort "Liebe", "Allein" oder "Sonnenschein" ist und welche vor allem von 50+ Bürgern konsumiert werden. Sehr spezifische künstlerisch hochgezüchtete Musikformen, sehr spezifische Liedauswahl und ein sehr spezifischer Darbietungskontext - meines Erachtens der eigentliche Grund warum die heutige Volksliedpraxis die Menschen jenseits der KiTa und Altersheim kaum anspricht!

      Gangsta-Rap, Metal, "Gestört Aber Geil", Hip Hop & Black Music, belangloser Pop... Meines Erachtens sind diese Genres so populär da sie vom Sound und vom Text her eben auf die Träume und Bedürfnisse der heutigen Menschen zwischen 14 und 45 Jahren besser eingehen bzw. diese besser wachrütteln. Der 25-jährige Zuhörer von heute wird selbstverständlich keine Kinderlieder mögen und die heile Fantasiewelt der Volksschlager ist nicht die Welt wo er nun mal lebt und strebt - genau DAS wird ihm aber von der Gesellschaft als "Volksmusik" angeboten!! Wir haben mehr als genug Volkslied-Quellen um zu wissen dass Volkslieder einmal alle Altersgruppen bedient haben, vom Kinderlied über derbe sexuell gefärbte Reime bis hin zum schwarzen Humor war bzw. ist alles vorhanden. Das was Bushido heute macht ist nicht neu oder besonders originell, sein Rap hat im Grunde diesselbe Funktion wie einst die Klapphornverse - schockieren, provozieren, Dampf ablassen :D Wer oft genug auf MA-Märkten war, weiß dass viele Lieder und Texte der MA-Szene denselben provokativ-anspielenden Mustern folgen.

      Eine Möglichkeit wäre ein Liederbuch bzw -heft, wie von @Pannekowski vorgeschlagen, welches nicht nur Volkslieder enthält, sondern auch quellenreiche Artikel zur Geschichte des deutschen Volksliedes. Die Hauptintention der Artikel (auch im Vorwort explizit dargelegt) wäre die Aufklärung über die echte Volksmusik und die radikale Entkopplung des Volksschlagers vom eigentlichen Volks-Lied. Die Kapitel wären dann nach Themen unterteilt; Kinderlieder, Tanzlieder, Spottlieder, Sauflieder sowie Themen wie Sehnsucht, Humor, derbe Späße, usw. Selbstverständlich wird das Material kinder- und juegndfrei bleiben damit es in Schulen verwendet werden kann, die Palette der Themen müsste jedoch so breit bleiben damit diese einen authentischen Eindruck über den realen Volkslied-Fundus vermitteln und möglichst viele Altersgruppen ansprechen kann.

      Meines Erachtens müssen zuerst die Stereotype gebrochen werden, damit sich die Gesellschaft für das Volkslied mehr und mehr zu interessieren beginnt. Volkslieder sind per se keine Volksschlager und keine primitiven Kinderlieder, sie können so POP sein wie David Guetta und "voll aggro alta" wie Bushido, wennman sie lässt. Dafür müsste man die Gesellschaft die volle Volkslied-Palette erfahren lassen und nicht nur kleine verkünstelte Ausschnitte, die heute gemeinhin als "Volksmusik" verstanden werden.

      Ungefähr so...
    • Hi,

      Zitat Gregorius: „Meines Erachtens müssen zuerst die Stereotype gebrochen werden, damit sich die Gesellschaft für das Volkslied mehr und mehr zu interessieren beginnt. Volkslieder sind per se keine Volksschlager und keine primitiven Kinderlieder, sie können so POP sein wie David Guetta und "voll aggro alta" wie Bushido, wennman sie lässt. Dafür müsste man die Gesellschaft die volle Volkslied-Palette erfahren lassen und nicht nur kleine verkünstelte Ausschnitte, die heute gemeinhin als "Volksmusik" verstanden werden.“

      Ok, in den 70/80ern haben Leute wie Liederjan, Zupfgeigenhansel, Elster Silberflug oder Fiedelmichel schon mal kräftig Staub runtergeblasen und auch z. T. kommentierte Liederbücher herausgegeben. Aber in die Schulbücher haben es glaub ich nur ein paar Neuvertonungen von Erich Schmeckenbecher geschafft. Vielleicht sollten wir ihn mal fragen, wie er das geschafft hat?

      Das von Dir vorgeschlagene Konzept wäre aber eher was für die älteren Jahrgänge und beinhaltet ja quasi eine Lehrer-/Elternaufklärung zum Thema. Sicher ein Ansatz, wenn ich sehe, daß bei uns in der Grundschule Englischvokabeln anhand von Rapsongs eingefgührt werden. Und das auch noch mit einem ganz offiziellen Schulbuch + CD, daß die Eltetrn nebenbrei auch noch erwerben müssen.

      Für die Grundschule sollte das Ganze aber weniger textlastig sein. Ich denke da eher an ein getrenntes Lehrer-/Elternheft, während das Unterrichtswerk selbst neben wertvollem Inhalt hauptsächlich schön und thematisch illustriert sein sollte, damit die Kinder gerne drin blättern.

      Als Beispiel nochmal den von mir oben genannten „Singvogel“, da ja wahrscheinlich die wenigsten von Euch das Buch kennen:

      Einteilung: Morgen und Abend, Wir loben und danken, Das Frühjahr fängt an, Der sommer ist da, Der Herbst ist da, Der Winter ist da, Advent und Weihnachten, So klingt's bairisch, So klingt's schwäbisch, So klingt's fränkisch, So klingt's anderswo, Wir tanzen und spielen.

      Alle Stücke (an die 120!) sind mit Quellenangabe, Anleitung, teils 2stimmig, teils mit kompletter Partitur für Flöte, Glockenspiel, Holzblock, Metallophon, Pauke, Rassel, Schellenband, Schlagstäbe, Schellentrommel, Stabspiele, Trommel, Triangel, Xylophon. Besonders lobenswert: Es wird beispielhaft auch auf Dialekte eingegangen.

      War also alles schon mal da. So ähnlich stelle ich mir das auch vor, nur müßte man die rein religiösen Inhalte in ein spezielles Buch für die christlichen Feste verlegen und die Auswahl der anderen Sachen mal überarbeiten. Aber sonst vom Gesamtkonzept her super, schöner Druck, ansprechende und kindgerechte Illustration.

      Nur Gitarrengriffe fehlen, aber dafür müsste die Lehrkraft auch erstmal richtig Gitarre spielen können. Daran mangelt es leider bei uns hier ebenfalls. Ich habe schon Unterrichte speziell für Erzieher/innen angeboten, damit die den Kids nicht auch noch Lagerfeuerschrummellei anbieten. Die glauben dann nämlich hinterher, das ginge wirklich so, aber das ist ein anderes leidiges Thema... :whistling:
    • dinorider61 schrieb:

      Mosche,
      apropos Bücher: Mich würde auch mal interessieren, welche Bücher, wenn überhaupt, bei Euch momentan im Musikunterricht im Gebrauch sind. An unserer Grundschule vor Ort gibt es nämlich k e i n s !!! :thumbdown:
      Ich hatte nie ein Buch im Musikunterricht. Wir hatten einen Klassensatz mit Noten (ars musica) mit ein- und mehrstimmigen Liedern von leichten Kanones über mehrstimmige Volkslieder bis zu Monteverdi, Brahms und Co. Auf Gemeindefreizeiten gab es die Mundorgel.

      In der Oberstufe haben wir dann den „Duden Musik“ I + II benutzt und Ziegenrückers „Allgemeine Musiklehre“, auf die ich heute noch regelmäßig zurückgreife.
      Gruß,
      Kristof

      folk.jankristofschliep.com
      jankristofschliep.com

      ____________________________

      Wird man einem Dudelsack vorgestellt,
      so redet man ihn selbstverständlich so
      lange mit "Siedelsack" an, bis einem
      offiziell das "Du" angeboten wird!


      :rofl:
    • Ha! Die Mundorgel! Die kenne ich auch noch! :rofl:
      Zitat aus Wikipedia: „... die dann erstmals im Jahre 1953 erschien. Sie wollten damit erreichen, dass die Jugendlichen beim gemeinsamen Gesang nicht mehr nach der ersten Strophe wegen Textunsicherheit abbrachen...“
      Das Problem war also bereits bekannt! Allerdings gibt es wohl ältere Ausgaben, aus deren Inhalt man sich besser wegen eines gewissen Braunschleiers überhaupt nichts merken sollte...
      Was im Fundus einer jeden Schule steckt und vielleicht noch verwendet wird, läßt sich in der Tat schwer ergründen, wenn die Bücher nicht ausgegeben werden (Klassensatz).
    • Wobei ich die Mundorgel - die auch mir zu seligen Schulzeiten über den Weg gehopst ist - auch damals schon suboptimal fand, weil zumindest in den Ausgaben, die wir hatten, nur die Texte standen und keine Noten - rein auf Mitmachen und Mithammeln, nicht aber auf selbständiges Musizieren ausgerichtet. Wenn also jemand ein Lied mit interessantem Text gefunden hat, konnte er es immer noch nicht spielen. Das allerdings finde ich im Zusammenhang mit diesem Thema ganz wichtig - die Möglichkeit, sich selbst aus dem Unterrichtsmaterial weitere Stücke bzw. Melodien zu erarbeiten. Ohne diesen "niedrigschwelligen Einstieg" ist der Unterricht aus meiner Sicht ein reiner Konsum ohne Zukunftsperspektive. Mir selbst ging es damals so, dass ich durchaus Lieder mit lustigem Text gefunden habe, die ich auch gerne (selbständig) gesungen hätte, aber niemand kannte die Melodie. Irgendwann erlahmte mein Interesse dann.
      Planung ersetzt den Zufall durch den Irrtum.
    • dinorider61 schrieb:

      Für die Grundschule sollte das Ganze aber weniger textlastig sein. Ich denke da eher an ein getrenntes Lehrer-/Elternheft, während das Unterrichtswerk selbst neben wertvollem Inhalt hauptsächlich schön und thematisch illustriert sein sollte, damit die Kinder gerne drin blättern.

      Als Beispiel nochmal den von mir oben genannten „Singvogel“
      Ja, sicherlich. Es kann auch eine ganze Serie an Heften sein, für Grundschule, Eltern, etc. inklusive einer 18+ Version, mit derberem Inhalt. ;)

      Was die bereits bestehenden Volkslied-Sammelwerke und Bücher angeht, es gibt meiner Ansicht nach ein Problem, dass viele gar nicht bemerken, und welches ich in meiner persönlichen Praxis mehr als nur einmal erlebt habe. Es ist die Hürde der Realitätsnähe. Die Texte und Themen vieler wenn nicht der meisten trad. Volkslieder sind ein oder mehrere Jahrhunderte alt - es ist bemerkenswert dass unser guter alter "Des Knaben Wunderhorn" bereits 200+ Jahre alt ist! Die Lebenswelt in Deutschland hat sich im den letzten 200 Jahren extrem verändert, so dass die Inhalte vieler Lieder für den heutigen jungen Bürger befremdlich bis unverständlich sind.

      Beispiele. "Ein Vogel Wollte Hochzeit Machen". Drossel, Amsel, Sperber, Lerche, Auerhahn, Meise, wer von den Kindern hat all diese Vögel schon mal gesehen? Wer kann sie unterscheiden?? "Es Klappert Die Mühle Am Rauschenden Bach". Kann man heute eine besichtigen?? Wie soll sich das Kind das Ding vorstellen? Bilder in Büchern sind ungeeignet, da zu abstrakt und realitätsfremd. "Ein Männlein Steht Im Walde". Was ist Purpur? Jemand steht in einem Mantel im Wald, häh? Wieso?? Hagebutte ist doch das Zeug im Tee, oder? Was hat das mit "waldstehen" zu tun?

      Die Mehrheit der Kinder kennt heute weder Wildtiere (weil wir diese in Deutschland zum größten Teil ausgerottet haben), noch Pflanzen oder hat irgendwelche Ahnung vom vorindustriellen ländlichen Leben. Ausnahmen bestätigen die Regel, und diese lautet dass der größte Teil der deutschen Bevölkerung seit Generationen in urbanen Ballungsräumen lebt und von Amseln, Drosseln oder Purpur keine Ahnung hat. Diese Dinge existieren nicht mehr in deren Lebenswelt.

      Genau das ist das Problem mit den meisten bisher publizierten Volkslied-Sammelwerken; sie enthalten Texte die für moderne Kinder unverständlich sind, da kein Alltagsbezug hergestellt weren kann. Wenn Kinder etwas nicht wissen oder verstehen, schalten sie ab. Bedauerlicherweise setzt die Gesellschaft und Bildungssystem all diese lebensweltlichen Dinge der vergangenen Epochen als "Allgemeinwissen" voraus und es wird dann sehr verwundert getan wenn Kinder vom ländlichen Leben oder der Natur unserer Bundesrepublik (soweit es noch welche gibt) keine Ahnung haben. Ja, woher denn?? Wer hat's ihnen beigebracht oder gezeigt?

      Die Liedauswahl in unserem "Tradsch"-Heft müsste m.M.n. unter anderem nach dem Kriterium "Zeitlosigkeit" getätigt werden, Kinder brauchen einen realen Alltagsbezug damit die Lieder für sie überhaupt interessant werden können. Sie müssen das, was im Lied vorkommt, sowohl Gegenstände als auch Handlung, in ihrem Alltag wiederfinden können.

      Beispiel; "Ich Geh Mit Meiner Laterne" - Laternen gibt es heute noch, Batterie + Leuchtdiode, Eltern haben Smartphones mit integrierten Leuchten mit welchen sie Schlüssellöcher & Co. in der Dunkelheit suchen. Das Lied ist aus KiTas nicht wegzudenken, und der Erfolg ist m.E.n. auch darin begründet dass wir den Kleinen auch eine echte Laterne in die Hände geben können wenn dieses Lied gesungen wird.

      Grüße
    • Moin zusammen,

      in euren letzten Beiträgen, Dinorider, Andreas, Gregorius, läuft es auf einen ganz wichtigen zu - den des abgerissenen Traditionsfadens.

      Traditionelle Lieder sind ja in der Regel mündlich überliefert worden und wurden daher oft in Form und Inhalt aktualisiert, auch dem Gebrauch in bestimmten Regionen angepasst worden. Daher gibt es ja von vielen Stücken auch etliche Varianten, und ja, das ist ein Zeichen von Lebendigkeit und Stärke einer gelebten Tradierung. Die gibt es tatsächlich kaum noch, und daher die Diskrepanzen, wie Gregorius sie beispielhaft nennt.

      Mit deiner Forderung, (zunächst) mit zeitlosen Liedern zu beginnen, ist m.E. ein ganz zentrales inhaltliches Kriterium für die praktische Umsetzung gegeben. Eine zentrale formale Konsequenz aus der gebrochenen Tradition ist eben, die Liedauswahl mit Noten, Akkordsymbolen und sonstigen Begleitungsvorschlägen auszustatten, sodass sowohl Erwachsene als auch - bei Schuleinsatz - Schüler sich selbstständig da durcharbeiten können; hilfreich wäre auch, eine Downloadmöglichkeit für z.B. Musescore-Dateien zu schaffen. Im Sinne maximaler Wirkung wäre ich sehr dafür, ein solches Heft / Buch nicht als explizit schulpädagogisches Werk zu konzipieren.

      Klar ist es aus Musiklehrersicht (bin fachfremd und reiner Hobbymusiker) vielleicht ärgerlich, dass Gitarrenbegleitung fast nur noch als Lagerfeuergeschrammel gedacht wird; aber das ist etwas, was im weiteren Verlauf angegangen werden könnte. Zunächst wäre m.E. extrem viel damit gewonnen, wenn

      a) Kriterien für Liedauswahl im Sinne einer Prioritätenliste formuliert würden
      b) ein ausbaufähiges Konzept für ein Publikationsformat geschaffen würde
      c) Teilnehmer für die Erstellung versammelt würden
      d) ein Vorgehen und Netzwerk für die Verbreitung in verschiedenen Kreisen (universitär, Lehrerbildung, Vereinswesen, Pfadfinder, ...) überlegen.

      Im Übrigen denke ich schon, dass allein die Bereitstellung von o.g. Material für einige Verbreitung sorgen würde; Lehrer greifen ja gerne auf gut aufbereitetes, einsatzfähiges Material zurück.

      Den "Singvogel" habe ich mir mal bestellt und bin gespannt.

      Gruß aus Hamburg
      Leif
    • Vermutlich nerve ich mittlerweile mit ständigen Erwähnungen der G.e.M.a., aber eines der o.g. Kriterien müsste auch die Urheberrechtsfreiheit sein. Wieder mal ein Beispiel: In der von mir bereits verlinkten sächsischen Liederempfehlung gibt es eine Menge von Liedern deren Herkunft als "trad" oder "Volkslied" bezeichnet wird. So auch "Guten Abend Schön Abend", das bekannte Weihnachtslied. Die erste Bearbeitung dieses Liedes erscheint jedoch erst in den 1930-ern und durchlief mehrere Modifikationen bis es die heutige Form angenommen hat. Die Herkunft der Melodie ist bestenfalls unklar, der Text des Liedes ist komplett modern (1930+) und keiner der daran beteiligten Textkomponisten bzw. Bearbeiter (siehe GEMA-Verzechnis) ist länger als 50 Jahre tot.

      Die Angabe als "Volkslied" ist demzufolge irreführend :cursing: und das kann ins Auge gehen, wenn das Lied auf einer öffentlichen Veranstaltung wie Kinderfest oder Kindertheater-Vorstellung gespielt bzw. gesungen wird. Als jemand, der vor ein Paar Jahren eine Theatervorstellung für Kinder mitorganisiert und durchgeführt hat, kann ich berichten dass damals fast ein Drittel unserer Einnahmen auf den GEMA-Pauschalbetrag draufgegangen ist. Und das ohne Urheberrechtsverletzungen...

      Ein Liedheft, von welchem der Pädagoge weiß, dass alle Stücke 100% "sauber", d.h. gema-frei sind, wäre wahrlich ein Schatz, denn, wie wir sehen, es scheinen nicht einmal deutsche Bildungsministerien imstande zu sein korrekte Quellenangaben zu machen... [/rant]

      Pannekowski schrieb:

      ärgerlich, dass Gitarrenbegleitung fast nur noch als Lagerfeuergeschrammel gedacht wird
      Kann ich daraus entnehmen dass Sie eben dieses "Lagerfeuergeschrammel" nicht mögen? ^^
    • Jepp!
      Dieses 4-Punkte-Programm könnte ein Anfang sein!
      Zur Vermeidung bereits gemachter Fehler wäre ein Zusammentragen und Analysieren bestehender Literatur notwendig. Auch eine Festlegung der genauen Zielgruppe. Der in einigen Gebieten hohe Anteil an ausländischen Kindern erfordert sicherlich Überlegung.
      Nach wie vor hoffe ich, hier kommen noch Stimmen aus den verschiedenen Bundesländern oder Nachbarländern über die bestehende Praxis. Ggf. müßte man auch andere Foren/Interessengruppen in Sachen traditioneller Musik noch mit einbeziehen.
    • Nanana Herr Gregorius, da hast du mich aber deutlich verkürzt wiedergegeben! ;) - nee, ich persönlich habe kein grundsätzliches Problem mit Lagerfeuergeschrammel. Wie auch, habe selbst jahrelang Gitarre in einer Oi Band gespielt... :D

      GEMA: Klar muss man den Sch**ß gedanklich mit einbeziehen - auch wenn ich das Problem bei den Liedern, die ich so vor Augen habe, nicht sehr problematisch finde.

      Zielgruppe: Natürlich zentral für Zusammenstellung und Aufmachung. Und apropos ausländische Kinder: Ich arbeite an einer Hamburger Stadtteilschule in einem "sozialen Brennpunkt". Sowohl in meiner eigenen Klasse wie auch in den anderen, in denen unterrichtet habe gibt es 2-3 Schüler "ohne Migrationshintergrund", der Rest ist von/bis. Das hat mich bisher nicht daran gehindert, mit denen zumindest in 5/6 das volle Volksmusikprogramm abzusingen; meine Klasse hat es sogar in der 7. Klasse noch auf Klassenfahrt eingefordert. Und ich werde auch nicht die syrische (allerdings hier aufgewachsene) Siebtklässlerin mit Kopftuch vergessen, die die "Fief Söhns" wochenlang auf ihrem mp3-Player gehört und auf mittelniederdeutsch mitgesungen hat.

      An dieser Stelle wird so ein Vorhaben natürlich auch zum Politikum. Denn gerade im schulpädagogischen Bereich wird - i.d.R. übrigens von hysterischen deutschen Junglehrerinnen - dann laut nach "Inter- / Transkulturellem" gerufen. Allerdings: von den sechs Liedern des traditionellen Nikolauskonzerts meiner momentanen Schule war kein einziges (!) ein deutsches. Soviel zum "inter" dahinter.
      Deshalb wäre es mir persönlich schon wichtig, erstmal nur traditionell deutsche Lieder aufzunehmen.

      Dinorider, dein Vorschlag, andere Foren in diese Überlegungen mit einzubeziehen, ist ja goldrichtig. Überhaupt wäre es vielleicht sinnvoll, diese Diskussion an geeigneterer Stelle fort zu führen. Nur wo? Oder eine spezielle Plattform dafür gründen? Hmmm...

      Euch noch einen schönen Restsonntag.

      Gruß aus HH
      Leif