Ist der Mittelalter-Boom zu Ende?

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    • Derweil in Sachsen...

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      Vor 10 Jahren gab es Ostern mindestens ein halbes Dutzend Mittelaltermärkte in Sachsen, heute sind nur noch zwei übrig, und wie man den obigen Links entnehmen kann befindet sich unter den gelisteten vier Bands keine einzige klassische "Mittelalter"- Rockband dessen Hauptinstrumente Marktsäcke sind.

      Ich habe nun seit zwei Jahren keine live Marktsack-Darbietung mehr gehört.

      Damit möchte ich mitteilen dass der sog. "Mittelaltermarkt" und Sackpfeifen allgemein hier in Sachsen entgültig zu einer Randerscheinung geworden sind. Weder bei Schulen, Vereinen noch allgemeinen Volksfesten findet sich irgendwelches Interesse für Sackpfeifen und alles was damit zu tun hat.

      Grüße
    • Ich persönlich habe eine Theorie, woran es liegen könnte, dass Mittelaltermärkte auf einem absteigenden Ast sind. Meine Beobachtung ist, dass Mittelaltermärkte überhaupt nicht wissen, was sie überhaupt sein wollen:

      Familienfeste, zu dem man auch seine Kinder mitbringen und als Familie Spaß haben kann?
      Ungehemmte Saufgelage mit Verkleidung a la Fasching?
      Verkaufsveranstaltungen, bei denen Händler versuchen, ihren minderwertigen Mist (Schmuck, Essen, Klamotten etc.) zu verkaufen?
      Kleine Festivals, bei denen es tatsächlich um Musik geht?
      Veranstaltungen, bei denen es tatsächlich um Authentizität geht?

      Ich glaube, dass bei Mittelaltermärkten alles mitschwingt bzw. dass der Anspruch ist, dass man alle diese Bedürfnisse zu befriedigen versucht. Das ist aber schwer möglich, wenn man sich allein schon die ersten beiden Punkte anschaut. Jemand, der mit seinen Kindern einen tollen Tag haben möchte, wird wohl kaum irgendwo hingehen, wo sich die Leute hemmungslos die Kante geben. Und eine Gruppe, die sich mittels bewusstseinsverändernder Substanzen sämtliche Gehirnwindungen begradigen will, wird sich von einem "Familienfest" nicht unbedingt angesprochen fühlen :kopfkratz: Und jemand, der nach Authentizität sucht, KANN auf Mittelaltermärkten nur enttäuscht werden. Ebenso kann man nur enttäuscht werden, wenn man der Musik wegen auf Mittelaltermärkte geht und hofft, da mal was Neues zu entdecken. Es wird immer nur das Selbe gespielt, zwar mit einer gewissen Varianz, aber der musikalische Grundstock bzw. das Repertoire ist doch immer gleich.

      Eine Zeitlang mag das Konzept funktioniert haben, weil es eben verhältnismäßig neu und darüber hinaus ein Boom war und jede der angepeilten Zielgruppen geschaut hat, ob Mittelaltermärkte diese Bedürfnisse befriedigen können. Mittlerweile dürften aber alle realisiert haben, dass das so nicht möglich ist. Ich denke, wenn man einen erfolgreichen Mittelaltermarkt etablieren will, muss man sich als erstes die Frage stellen, was denn eigentlich der eigene Anspruch ist und welche Zielgruppe man ansprechen will und das Konzept des Marktes dann exakt auf diese Zielgruppe zuschneiden. Wenn man einen Markt machen will, bei dem man alle zufriedenstellen will, wird das letztlich dazu führen, dass am Ende alle unzufrieden sind.
    • Hej Zusammen!
      Bin zwar in dem Sinne szenefremd (war seit Jahren auf keinem MA-Markt, beweg mich fast nur in der Folk-Szene), aber trotzdem meinen Senf dazu:
      Immer wieder mal gibt es diese: "Früher war alles besser-Threads" und ich kann da nur so halb mitgehen.
      Sicher, die Märkte werden weniger, sicher, das Angebot dort wird weniger spannend, aber woran liegt das?
      Ich glaube wir selbst haben das in der Hand:
      Sieht man sich die Entwicklung der MA-Märkte und derene Ursprünge an kommt folgendes bei raus:
      Am Anfang waren da ein paar Freaks (ist ganz lieb gemeint), die sich mit einem Thema beschäfftigt haben (Zelte nähen, färben, Mugge machen usw.)
      und irgendwann angefangen haben Märkte zu organisieren.
      Das stieß auf offene Ohren, und es kamen Touris. Die kauften Zeug, hieleten die Szene am Leben, und für ein paar Jahre war alles schön.
      Irgendwann wurde das Interesse für die Produkte auf den Märkten kleiner, die Schausteller überlegten womit sie weiterhin Geld verdienen konnten,
      und Zack, jetzt haben wir was wir haben.

      In all den Diskussionen überr den Niedergang von Dingen fehlen mir zwei Betrachtungen:
      1. Wir leben (wohl oder Übel) im (plakativ gemeint) Kapitalismus.
      Das heißt viele Angebote ist darauf ausgelegt, damit Geld zu verdienen. Mit etwas Glück gibt es unter den
      Anbietern Leute die einfach nur davon Leben wollen, ohne fett Geld zu scheffeln, aber auch die müssen davon leben können.

      2. Es besteht die Möglichkeit, selbst Dinge zu organsieren, und fern des "Systems" eigene - und vielleicht bessere -Veranstaltungen zu machen.

      Das heißt doch aber, das wir die Macht haben, oder etwa nicht?
      Wenn sich zwei, drei Lagergruppen zusammenschließen, irgendwo ein schickes Gelände finden, und einfach mal einen Markt mit Niveau organisieren
      wär doch was gewonnen. Das Ganze einfach als Party anlegen, Zaun drum rum, und Eintritt nehmen.
      Wenn keiner kommt, war's halt ein schönes Wochenende (und eh jmd. sagt da geht nicht - ich sag doch, man muss sich nur bewegen)

      und zweitens:
      Leute, gebt Geld aus:
      Wenn die paar Leute die auf den Märkten noch Niveau haben daran scheitern, das sie nicht von leben können geben auch diese irgendwann auf.
      Mal ehrlich: Am Ende gehen die meisten (auch die die gern Niveauvolles betrachten) auf einen Markt, zahlen dort Eintritt,
      essen eine Bratwurst, kaufen vielleicht noch irgendeine Kleinigkeit - gucken beim Weber (oder irgendwem anderen) einmal die teueren Sachen an,
      freuen sich das das wer kann (ohne was zu kaufen), und gehen dann wieder.

      Das ist am Ende in ganz vielen Bereichen so.
      Am Ende darf man nicht vergessen das man sich darüber freut Profis dabei zuzusehen wie sie eine Sache gut machen.
      Und Profis gibt es nur, wenn diese in der Lage sind, einer Sache professionell nachzugehen.

      So, das mal als Denkanstoß.
      Also, aufgestanden und losorganisiert - oder zumindest in's Auto gestiegen und zu der Veranstaltung gefahten die eben noch Niveau hat.
      Und bitte nicht an der "100km ist mir zu weit weg!"-Marke scheitern.
      Wir sind eine Subkultur, und für die muss man was tun.

      Nix für ungut,
      Liebe Grüße,
      Mattis
    • @mattis
      Meine Position ist, ich möchte die "Mittelaltermärkte" gar nicht "retten"!
      Die Sache ist die. Die MA-Märkte waren ein Produkt der Postmoderne, wo die ganze Gesellschaft zu gerne in romantisch-verklärter Fantasy und "alten Zeiten" schwelgte. Ninjas, Samurai, Ritter, Gothic, Wikinger, Harry Potter, Japan, LOTR, dreißig Jahre lang waren alle verrückt nach all dem. MA-Märkte speisten sich aus derselben Quelle!
      Jede Epoche und ihr Lebensgefühl enden früher oder später. Aus der Perspektive des Erziehers kann ich definitiv sagen dass Lebensgefühl und der Musikgeschmack sich stark gewandelt haben. Die klassische postmoderne Lebensweise nähert sich ihrem Ende, gesellschaftlich und wirtschaftlich. Die Märkte hatten ihre Zeit, nun ist mal Schluss. Das Konzept und das Lebensgefühl haben ausgedient.

      In einer Sache lag ich aber falsch.

      Ich nahm an die rasante Verbreitung des Marktsackes und der Märkte würde das Instrument auch außerhalb der MA-Szene etablieren, Musiker würden den Marktsack aufgreifen und damit weiterführend experimentieren. Dies ist nicht geschehen. Der Marktsack verschwindet von der Bildfläche zusammen mit den Märkten und gerät zunehmend in musikalische Vergessenheit. Und auch die Tatsache dass so viele sehr bekannte MA-Bands sich musikalisch während der letzten 20 Jahre kaum weiterentwickelt haben, spricht dafür dass der Marktsack seit je her funktionaler Teil des Marktes war und ohne den Markt kaum lebensfähig ist.

      Ich war heute das letzte Mal auf einem "Mittelaltermarkt". Für mich gilt die Sache als abgeschlossen.
    • Gregorius schrieb:

      spricht dafür dass der Marktsack seit je her funktionaler Teil des Marktes war und ohne den Markt kaum lebensfähig ist.

      Das würde ich so nicht unterschreiben. Ich selbst war auf genug Märkten, auf denen es keine Marktsäcke gab. Solange es Feuershows, Gauklerparaden, Schwertkämpfe und wandelnde Pestleichen gab, waren die Leute zufrieden (wenn es noch Eis für die Kinder und Met für die Papas gab). Meine Erfahrung ist, dass die Musik hier nie im Mittelpunkt gestanden hat. Es war nett, wenn es welche gab, aber wenn keine Marktsäcke da waren, hat sich auch niemand daran gestört - es sei denn, man ist selbst Musiker.


      Gregorius schrieb:

      Ich nahm an die rasante Verbreitung des Marktsackes und der Märkte würde das Instrument auch außerhalb der MA-Szene etablieren, Musiker würden den Marktsack aufgreifen und damit weiterführend experimentieren.

      An welche Musiker/welche Art von Musikern hast du hier konkret gedacht? Ich glaube, dass Instrumente, die über eine gewisse Tradition verfügen bzw. mit einer bestimmten Zeit verknüpft sind, in der populären Musik nicht gefragt sind. Hier bildet aber der Dudelsack keine Ausnahme. Auch viele Blechblasinstrumente gehören beispielsweise dazu. Tuba, Posaune, Trompete und co sind in den Köpfen der Mehrheit auch immer noch mit Preußens Gloria, der freiwilligen Feuerwehr oder abgelegenen Bergdörfern verknüpft und ihnen haftet daher etwas Veraltetes an (wenn man mal von Ska absieht, die diese Instrumente benutzen und etwas Neues daraus machen). Umgekehrt finden auch Dudelsäcke in der Musik noch Verwendung - auch wenn es sich nicht um "reine" Mittelaltermusik handelt (man denke etwa an Metal oder Punk). Sie stehen hier allerdings nicht im Mittelpunkt, sondern werden eher dazu genutzt, Akzente zu setzen.

      Der Marktsack (bzw. Dudelsäcke allgemein - bei Hümmelchen ist es ja noch schlimmer) ist seit jeher ein Nischeninstrument gewesen, das für den Massengeschmack nicht geeignet ist, weil es eben nicht modern ist und einen eigentümlichen Klang hat. Ich persönlich kann daran nichts Schlimmes finden. Man spielt ja keinen Dudelsack, weil man cool sein oder die Herzen der Mädchen brechen will, sondern weil man das Instrument selbst cool findet und - wenn man Glück hat - noch weitere Menschen findet, die ähnliche "Freaks" (ebenfalls lieb gemeint!) sind.

      Abgesehen davon gibt es ja tatsächlich Musiker, die aus ihren Dudelsäcken das letzte herausholen und wirklich innovativ sind. Das wird dann aber nur innerhalb der Szene rezipiert und nicht von der Allgemeinheit.
    • Habe gerade dieses Thema per Zufall entdeckt und mich prompt daran erinnert, ja ebenfalls einen Zugang in diesem Forum zu haben...

      Wie auch immer, ich möchte auch einmal meine Sicht dazu geben:
      Ich gehöre eher zur neuen Generation, die die "Mittelalterszene" für sich entdeckt hat und deswegen die damaligen Zeiten nicht mitbekommen hat. Genau genommen bin ich seit ungefähr 2014/15 dabei.

      Mein persönlicher Eindruck ist, dass das Gegenteil der Fall ist. Gerade MPS ist populärer denn je, vor allem in meiner Generation (Studenten/Schüler). Allein der Ansturm letztes Jahr aufs MPS in Öjendorf war mehr als beeindruckend. Ich bin gespannt, was passieren wird, wenn das MPS aufgegeben wird, was ja laut dem Veranstalter die nächsten Jahre passieren wird. Ob sich das dann alles im Sand verläuft?

      Jedenfalls findet momentan ein Umdenken statt und eine neue Richtung etabliert sich auf den Märkten.

      Ich sage nur Pagan Folk.
      Faun, die inzwischen genauso zu den Größen gehören wie SaMo, InEx oder CC (wie hier anfangs erwähnt), haben einen Bekanntheitsgrad, der meiner Meinung nach den von CC inzwischen übersteigt. Zumindest hat Faun letztes Jahr das Mehr! Theater in Hamburg gefüllt, CC spielt immer noch in den eher kleineren Locations.
      Und dann, natürlich, Heilung.
      Heilung hat dieses Jahr auf den Wacken Winter Nights Fans aus allen Herren Länder angezogen, die extra nur wegen der Band gekommen sind. Wardrunas Popularität wächst und wächst, Waldkauz ist vor wenigen Jahren erst gegründet worden und zieht jetzt schon eine betrachtliche Menge an Fans auf den Märkten an.

      Das hat zwar nicht mehr viel mit dem Mittelalter zu tun, um genau zu sein eigentlich gar nichts, dennoch sind die Mittelaltermärkte eine Plattform für diese Bands. Irgendwie hat sich da in den letzten Jahren eine Art Untergruppe entwickelt, die gerade eigenständig wird und ich wage die Prognose, dass diese Art von Bands die Märkte vor ihrem Ausrotten retten wird.

      Auch dieser ganze Hype um Asatru, die Wikinger und was weiß ich alles, trägt dazu bei. Man wird weniger die Ritter, Mägde und Könige mehr sehen, das Bild wird sich wandeln in Fell tragende Mettrinker und Dreadlock tragende Waldelfen (um das mal etwas zu überspitzen :D ). Dieser Hype steht gerade in den Kinderschuhen und ich bin gespannt, wie es sich entwickeln wird.

      Der Marktsack wird an Popularität verlieren, denke ich, dafür werden wieder Harfen, Drehleiern und natürlich allerhand Krimskrams wie Knochen oder Felltrommeln (siehe Heilung) ausgegraben.

      Zumindest ist das der Eindruck, den ich habe. Zumal gerade diese Bands auch die Jüngeren anziehen. Ich schätze, die meisten Hörer von Pagan Folk sind um die 20.
      Ob die alteingessesenen Mittelaltermarktgänger mit ihrer Authentizität das so gut finden, wage ich zu bezweifeln, aber so ist das nun einmal. Dann wird der Mittelaltermarkt wohl das Ding der Generation darüber und es wird mit ihnen wachsen. Schätze, alle 10 Jahre kommt eben so ein neuer Szenentrend, waren es damals die Rock'n Roller, dann die Punks und die Goths und jetzt die Mittelaltermarktmenschen und jetzt eben die Pagan Szene. Klar gibt es in allen Szenen auch jüngere und ältere Menschen, aber es gibt dann doch die Alterstendenz.
      Zumindest ist das mein Eindruck, was meint ihr?
    • @LadyAgi

      Alles richtig, was du schreibst, allerdings ist das etwas völlig anderes und widerspricht deiner Aussage, dass "das Gegenteil der Fall" wäre.

      Nennen wir es mal historomantische pop-events.
      Das ist dann eben kein Mittelaltermarkt.
      Aber wenn wir ehrlich sind, gab es in den letzten 40 Jahren eh keinen echten Mittelaltermarkt.
      Und der Marktsack hat daran auch nichts echter gemacht.

      Das war schon immer ein phantasy-ding.
      Und jetzt strömt es eben woanders hin.

      mal sehen, worüber wir hier in 15 Jahren diskutieren (falls Artikel 13 bis dahin keine Kinder kriegt)
    • AvB schrieb:

      Insgesamt war's ne schöne Zeit, aber mei - ich komm auch langsam ins Alter
      Ob es nur am Alter liegt? :) Diejenigen die in den 1970ern und 1980ern geboren wurden, hat's mit dem asiatischen Kampfkunst - Hype damals voll erwischt. Wushu, Ninjutsu, Iaido, Aikido, usw. Zwar ist der Hype vorbei, man hat aber immer noch diese 40 bis 50-jährige die nach wie vor das Zeug üben und Schulen leiten. Das Alter ist dieser Szene wohl kein Hindernis.

      Blooddigger schrieb:

      Meine Erfahrung ist, dass die Musik hier nie im Mittelpunkt gestanden hat.

      Blooddigger schrieb:

      An welche Musiker/welche Art von Musikern hast du hier konkret gedacht?
      Generell ja, aber es gab eine kurze Zeit wo es anders war. Damals in frühen 2000ern, wo In Extremo es ins Mainstream-Fernsehen geschafft hat und live-Konzerte mit "Skudrinka", "Traubentritt" und "Villeman Og Manhild" auf dem Marktsack auf VIVA liefen. Die Zeit wo auf einmal MA-Bands wie Pilze aus dem Boden sprießten. Es gab eine Experimentierfreude die zu Kombinationen wie Marktsack+Elektro, Marktsack+Metal, Marktsack+Folk, Marktsack+Symphonieorchester usw. geführt hat. Corvus Corax hat da sehr viel beigetragen. Ich nahm an all diese "Experimente" würden weiter geführt und die MA-Szene würde sich ähnlich dem Folk weiter entwickeln, wo es alle möglichen Kombos gibt.... Das ist leider nicht geschehen.

      Blooddigger schrieb:

      Tuba, Posaune, Trompete und co sind in den Köpfen der Mehrheit auch immer noch mit Preußens Gloria, der freiwilligen Feuerwehr oder abgelegenen Bergdörfern verknüpft und ihnen haftet daher etwas Veraltetes an (wenn man mal von Ska absieht, die diese Instrumente benutzen und etwas Neues daraus machen).
      Da fällt mir doch spontant die Meute ein. Oder Too Many Zooz. Diese Künstler schaffen es ganz gut gewöhnliche Leute für ihre Musik zu begeistern mit quasi typischen "oldschool" - Instrumenten. Soweit ich weiß hat bisher keiner so etwas mit Marktsäcken oder Schäferpfeifen versucht.
    • Hi, jetzt geb ich hier auch mal meinen Senf dazu. :D Ich hab nämlich auch eine Theorie, woran das gesunkene Interesse (unter anderem) liegen könnte.

      Ich glaube es gibt soetwas wie mentale Entwicklungsprozesse, die vom Großteil der Leute in etwa zeitgleich durchlebt werden. Entspricht z.B. eine Musikrichtung dem aktuellen Stadium,
      gibt es viele die die entsprechende Musik machen und die Musik ist nachgefragt und beliebt, weil sie auf resonante Empfänger trifft.

      Als das ganze noch geboomt hat oder zumindest noch gut gelaufen ist - ich rede jetzt hier meinem Empfinden nach von einer Zeit so bis ca. 2015 -
      war die Lage meiner Einschätzung nach (und wie oben ja schonmal angesprochen) wie folgt:

      Das Mittelalter, Fantasy und alles an mystifizierter und romantisierter Vergangenheit hat eine gewisse Sehnsucht in vielen Leuten ausgelöst.
      Der Herr der Ringe uä hatte noch Hochsaison, Fantasy- und Mittelalter-Computer/Xbox/etc-Spiele waren richtig beliebt und es gab deutlich mehr Leute, die noch sehr viel davon gespielt haben.
      Der Massen-Spirit war noch mehr in Richtung (romantischer) Vergangenheit gerichtet.
      Die Märkte mit ihren Feuershows, den Dudelsackklängen, Metschänken und Verkleidungen haben diese Sehnsucht befriedigt und waren erfolgreich - weil sie dazu in Resonanz standen.

      Heute ist die Situation (meiner Beobachtung nach) aber eine andere.

      Die Vergangenheit interessiert die Leute deutlich weniger. Der Trend geht nicht mehr so in Richtung Randgruppierungen, sondern in Richtung "normale" Mitte.
      Körperbewusstsein, gesunde Ernährung und gemäßigteres, weniger exzessives Verhalten sind jetzt mehr angesagt. Die Raucherecke ist nicht mehr *der* soziale Treffpunkt schlichthin, sondern eher die Ausnahme.
      Kurz: Das Bewusstsein ist auf reflektiertes Verhalten in der Gegenwart mit hohem Realitätssinn gerichtet.

      Das lautstarke Marktgehabe (das soll keine Wertung sein!) mit dröhnender Stimme und Fantasy-Verkleidung trifft den gegenwärtigen Zeitgeist also nicht mehr.
      Es gibt weniger Anbieter (weil sich dieser Wandel natürlich auch dort vollzieht bzw. vollzogen hat) und das dennoch verbleibende Angebot steht nicht mehr in Resonanz zu den Empfängern, weil
      diese mitterlweile innerlich anders ausgerichtet sind. Deswegen fühlen sie sich auf den Märkten nicht mehr "Zuhause".

      Zwingende Folge: Weniger Resonanz - weniger Interesse - weniger Besucher - weniger Umsatz - weniger Märkte. Und weil der Marktsack oft dranhängt: Weniger Marktsackinteresse.

      Fazit:
      Ich denke, dass die Märkte, Marktmusik und der Marktsack an einem Scheideweg steht.

      Ich denke, die Zeit des dröhnenden und derben, mit Fellen behängten Marktmusikers ist weitestgehend vorbei, weil man ihn jetzt vielleicht im Vorbeigehen lächelnd anschaut und ganz witzig findet,
      ihn aber im Grunde für realitätsfern hält, weil er dem gegenwärtigen Zeitgeist widerspricht.


      Schaffen die Anbieter und Musiker es, sich dem Zeitgeist anzupassen, überleben sie und bleiben nachgefragt.
      Wird die Darbietung aber musikalisch wie auch optisch dem Zeitgeist entsprechend ansprechend angeboten; mit naturbelassenen Produkten, interessant angerichteter Musik, gepflegter Optik und gesunden Lebensmitteln,
      entspricht das Gesamtpaket wieder dem gegenwärtigen Zeitgeist und steht somit wieder in Resonanz mit den Leuten.

      Zu guter Letzt:
      Ich denke also, dass es nicht der Klang des Dudelsacks ist, der an Beliebtheit bzw. Salonfähigkeit verloren hat. Sondern die Art seiner Präsentation und Darbietung.
      Von daher mein Appell: Spielt Dudelsack, aber behaltet den Zeitgeist im Blick.

      Damit will ich nicht das alte Erscheinungsbild runter oder die Leute schlecht machen, die es noch wie bisher gehabt handhaben. Ich will nur darlegen, was meiner Ansicht nach der Grund für die sinkende Popularität ist und wie
      man sie meiner Meinung nach wiederherstellen kann.

      Schönes Wochenende euch allen!
      Viel Übung hilft auch viel !

      Warum steht der Musiker schon um halb 8 auf? Weil um 8 die Supermärkte zumachen.