Anfängerfragen

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    • Also das mit dem Anblasrohr und den Zähnen:

      Es gibt Hersteller, wie etwa Fischer, bei denen das Mundstück gerade so ausgelegt ist, dass es eine kleine Wulst gibt, die man hinter die Zähne "klemmt". Das geht eigenetlich ganz gut.

      Ausgenommen, Du machst das, was Andreas wohl auch meint: Draufbeißen und mit den Zähnen festhalten. Das wird dann blöd, wie Andreas schon ausführte. Diese Wulst ist nur als kleine Führung gedacht und soll es erleichtern, dass das Anblasrohr bei auch nur gering geöffnetem Mund - etwa beim Luftholen/Ausatmen - aus dem Mund schnippt.

      Insofern kann, um das zerkauen zu vermeiden, vielleicht auch ein Gummi über dem Mundstück des Anblasrohes hilfreich sein. Da kannst Du auch etwas draufrumknabbern, ohne Schaden anzurichten oder Dich zu verkrampfen. Und das entspannt manchmal sogar etwas....
    • Moin und besten Dank nochmal für eure ganzen Ratschläge!

      Ich habe jetzt fleißig geübt und mich beim Druckhalten mal an Spielpfeife und Bordun gleichzeitig gewagt.
      Dazu habe ich zum Bordun stimmen die Methode von Ralph ausprobiert. Laut Christian Dreier soll ich das E als Referenzton nehmen. Das ist jedoch gar nicht so einfach, da das E recht hoch ist und ziemlich dröhnt, wenn man das länger spielt, dann höre ich irgendwie das Wabbeln nicht mehr so richtig ^^ Am besten hört man das beim A oder G, hat dann nur keine Hand mehr für den Bordun frei :D
      Sollte man es tatsächlich mal schaffen, das Wabbeln wegzukriegen, ist es dann für alle Töne komplett weg, oder nur für den Referenzton?

      Ich habe trotzdem versucht, es so einigermaßen zurecht zu stimmen. Leider ist mein Gehör noch nicht so dudelsackmäßig geschult, um zu hören, ob das für das geübte Ohr einigermaßen akzeptabel oder total unerträglich abgestimmt ist. Ich habe mal das aktuelle Fortschrittsvideo hochgeladen...



      Was mir noch aufgefallen ist, manchmal, wenn ich den E-Vorschlag auf einen tiefen Ton, wie A oder G, anwende, kommt danach gelegentlich erstmal kurzzeitig ein höherer Ton (der klingt irgendwie wie "unter Wasser", kann das nicht richtig beschreiben ^^), nach ca. einer halben Sekunde stellt sich dann wieder das normale A bzw. G ein. Kann das auch ein Problem mit meinem (noch nicht so gut ausgeprägten) Spieldruck sein? Die tieferen Töne brauchen einen etwas geringeren Druck, als die höheren, die Ballance gelingt mir noch nicht so richtig. Oder kann das vielleicht daran liegen, dass unbemerkt ein Finger sein Loch nicht richtig abdeckt?

      Ansonsten geht es, denke ich, recht gut voran. Der ausgehende Bordun lag tatsächlich am Spieldruck, mit fortschreitendem Üben passiert das immer seltener. Und das Anblasrohr hält in den Atempausen auch ohne Zähne recht zuverlässig im Mund, somit können Zähne und Anblasrohr vor unnötiger Abnutzung bewahrt werden :)

      Viele Grüße
      Meticus
      Blutiger Anfänger, aber metizinisch gut versorgt. Skål.
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    • Tach!

      Das von dir beschriebene Phänomen kenne ich tatsächlich bei zu hohem Spieldruck. Was mich ein bisschen umtreibt, ist deine Aussage, dass die tieferen Töne weniger Druck brauchen als die höheren. Nun habe ich noch keinen kleinen Marktsack von Christian Dreier in der Hand gehabt, würde mich aber wundern, wenn das bei diesen Instrumenten normal sein sollte - schließlich ist Christian kein unerfahrener Dudelsackbauer. Woran machst du diese unterschiedlichen Druckerfordernisse denn fest? Reißt sonst der Ton ab oder hast du die einzelnen Töne mit einem Stimmgerät überprüft? Hier kommen wir zum anderen Teil, nämlich dem "Wabbeln". Wenn deine Spielpfeife temperiert gestimmt ist, werden andere Töne als der Grundton nicht hundertprozentig zum Bordun passen und es treten mehr oder weniger hörbare Interferenzen auf. Dann sollte dein Stimmgerät, das mit Sicherheit auf temperierte Stimmung kalibriert ist, bei gleichem Druck immer den "richtigen" Ton anzeigen. Ist deine Spielpfeife jedoch reintönig gestimmt, passt jeder Ton zum Bordunton und man sollte bei gleichem Spieldruck keine Schwebungen hören. Auf dem Stimmgerät wirst du jedoch Abweichungen nach oben oder unten feststellen. Das ist dann kein Fehler!

      Ich denke, du solltest einerseits einen Dudelsackspieler, besser konkret einen Marktsackspieler in deiner Ecke des Landes suchen und dich mit ihm zusammensetzen. Er oder sie wird ggf. im direkten Kontakt besser beurteilen können, wo die Probleme liegen, als es über ein Video möglich ist. Andererseits solltest du mit Christian Kontakt aufnehmen und mit ihm über deine Beobachtungen reden. Er kennt sein Instrument am besten und wird dir zu möglichen Druckunterschieden und auch zur Frage nach temperierter oder reintöniger Stimmung etwas sagen können - und wenn ihr im gemeinsamen Gespräch feststellt, dass tatsächlich etwas am Instrument zu korrigieren ist, ist er sowieso der einzig Richtige.

      LG
      Andreas
      Planung ersetzt den Zufall durch den Irrtum.
    • Die Spielpfeife ist laut Christian eher temperiert gestimmt, da der Sack sowohl in A als auch G spielbar ist (den Bordun kann man umstöpseln).

      Das mit den leicht unterschiedlichen Druckerfordernissen kommt daher, dass es sich irgendwie falsch anhört, wenn ich mit dem gleichen Druck tiefe und hohe Töne spiele, ganz besonders beim Gabelgriff für das F. Das klingt dann irgendwie zu tief. Andererseits ist es natürlich auch möglich, dass ich mir das auch nur einbilde und bei den hohen Tönen unbewusst den Druck absacken lasse und dann wieder zudrücken muss, der gefühlte Druckunterschied ist auch nicht sehr hoch. Oder mein Gehör spinnt, das muss ja auch noch ein bisschen geschult werden :D
      Aber ich dachte, ich hätte das auch schon mal irgendwo im Forum gelesen, das die hohen Töne etwas mehr Druck erfordern.

      Ursprünglich wollte ich mir auch einen Lehrer nehmen, es ist allerdings gar nicht so einfach einen in der Gegend zu finden, der freie Kapazitäten hat. Zudem wäre es etwas schwierig bei mir mit regelmäßigen Terminen. Ich hätte auch gern mal so einen Anfänger-Spielkurs mitgemacht, Christian bietet sowas auch an, aber das ist für mich leider zu weit weg für einen kurzen Trip.
      Daher versuche ich es jetzt vorerst im Selbststudium mit Sackpfeifen-Fibel, Fortschrittsvideos und Marktsack-Forum :) Von Christian habe ich auch schon den ein oder anderen Tipp per Mail bekommen, er hilft immer sehr schnell und kompetent, wenn man eine Frage hat. Aber wie du schon sagst, per Ferndiagnose ist das alles nicht so einfach.
      Vielleicht ergibt sich ja irgendwann mal noch eine günstige Gelegenheit und ein erfahrener Lehrer kann dann meine ganzen selbst beigebrachten Fehler wieder ausbügeln :D
      Blutiger Anfänger, aber metizinisch gut versorgt. Skål.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Meticus ()

    • Moin zusammen!

      Also das mit den unterschiedlichen Druckanforderungen unter normalen Umständen scheine ich mir tatsächlich irgendwie eingebildet zu haben. Mittlerweile funktioniert das Druckhalten schon recht gut. Ich habe mich mal an das Palästinalied mit Spielpfeife + Bordun gewagt.

      Nur bei Liedern mit F kommt es mir immer noch so vor, als ob der Gabelgriff etwas mehr Druck benötigt, sonst klingt er irgendwie zu tief. Kann das sein? Ich glaube, ich hatte hier im Forum schon mal sowas gelesen, aber ich finde den Beitrag nicht mehr, daher weiß ich nicht, in welchem Zusammenhang das war.

      Grüße

      Meticus

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    • Hi!

      Ich vermute, dass du mit "braucht mehr Druck" meinst, dass es mit mehr Druck besser zum Bordun passt? Das kann bei temperierter Stimmung natürlich sein, weswegen für Borduninstrumente eigentlich eine reinönige Stimmung besser ist. Auch, wenn ich penetrant wirke: Christian kontaktieren und fragen. Im Zweifel kann er dir sagen, welche Abweichungen zur temperierten Stimmung (du sagst ja, die Spielpfeife wäre "eher" temperiert gestimmt) jeder Ton aufweisen soll. Dann Bordun aus und diese Werte bei konstantem Spieldruck mit dem Stimmgerät überprüfen.

      LG
      Andreas
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    • Moin!

      Zur Info, ich lag tatsächlich nicht so sehr daneben mit meiner Wahrnehmung. Laut Christian ist es durchaus möglich, dass man bei Gabelgriffen manchmal leicht mit dem Druck nachhelfen muss, da diese nur Annäherungsgriffe sind. Pauschal kann man das aber nicht sagen, da das sehr individuell anhängig ist vom Dudelsack und auch vom Rohrblatt.

      Etwas gewöhnungsbedürftig am Anfang, aber da das Druckhalten mittlerweile recht gut klappt, kann ich den Druck beim Gabelgriff etwas variieren. Ich hab das mit "Was wollen wir trinken" ausprobiert, meinem ersten Lied mit Gabelgriff, da funktioniert das inzwischen ganz gut.

      Grüße...
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    • Hallo zusammen,

      mal noch eine ganz andere Frage:

      Wie lagert ihr eure Säcke, wenn ihr mal ein paar Tage nicht spielt (oder länger)? Ich bin versucht, das Mundstück abzumachen, damit der Sack "auslüften" kann.

      Allerdings habe ich Angst, dass mir dann diese Wicklung mit dem Faden zu schnell verschleißt, wenn man das zu oft ab- und ansteckt. Und vielleicht ziehen dann auch irgendwelche Insekten dort ein? :D
      Oder ist das nicht notwendig, weil das Leder das gut genug selbst regulieren kann?

      Viele Grüße
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    • Wenn du nur kurz spielst, dann ist es nicht notwendig das Mundstück zu entfernen.
      Wenn du länger spielst, dann solltest du das Mundstück entfernen. Vor allem dann, wenn die Wicklung vom Mundstück selbst schon feucht ist.

      Meine Dudelsäcke hängen (platzsparend) oder liegen im Koffer (wenn sie trocken sind).

      Aber auch der Dudelsack selbst beeinflusst die Entscheidung wie man diesen lagert.
      Hängt er, wurde viel gespielt und das Dichtmittel/der Sabber hat die Möglichkeit an die Rohrblätter zu kommen, dann ist liegen wohl die bessere Alternative.

      Beim Hängen muss man auch darauf achten, dass die Wicklungen in Ordnung sind. Bzw. diese an die Witterung/Jahreszeit angepasst sind. Sonst kann es "flutsch" machen.
      Dh, wenn die Spielpfeife beim Spielen fest sitzt, aber danach locker wird, ist Hängen keine gute Idee, es sei denn man holt die Pfeifen/Bordune raus oder wickelt nach.

      Bzgl. Insekten solltest du dir eher nur im Freien Gedanken machen.
      PDH - Preiset das Hümmelchen
      You know, Internet is a dangerous thing with all that sheet music out there...
    • Meticus schrieb:




      Allerdings habe ich Angst, dass mir dann diese Wicklung mit dem Faden zu schnell verschleißt, wenn man das zu oft ab- und ansteckt.
      ich mach das Teilweise täglich und die Wicklung hält nun auch schon mehr als nen Jahr .
      und falls die Wicklung doch mal aufgeben sollte ist es auch kein Hexenwerk die neu zu machen , das gewachste Garn dafür bekommt man auch für n paar Euro und reicht für einige Wicklungen . :D
    • subi schrieb:

      Wenn du länger spielst
      Meistens spiele ich zwischen einer halben und einer Stunde. Ich denke, das zählt dann schon als "länger". Dann werde ich das Mundstück zukünftig vorsichtig abmachen ^^

      subi schrieb:

      Sonst kann es "flutsch" machen.
      Oh, guter Hinweis ^^ Daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Mein Dudelsack hängt an einer Gitarrenhalterung an der Wand, das passt ziemlich gut für den Dudelsack. Im Moment sind noch alle Steckverbindungen ziemlich fest, aber ich werde das mal im Auge behalten.

      Dudelkud schrieb:

      falls die Wicklung doch mal aufgeben sollte ist es auch kein Hexenwerk die neu zu machen
      Ja, das würde ich bestimmt hinkriegen. Aber wenn ich das einmal gewickelt habe, muss ich das bestimmt alle paar Wochen reparieren bzw. nachwickeln. Deshalb hoffe ich, dass die professionelle Originalwicklung von Christian möglichst lange hält :D
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    • Die Wicklung ist etwas, wo du dir am wenigsten Sorgen machen musst. Vermutlich wirst du sowieso, je nach Jahreszeit ab- oder nachwickeln müssen.

      Die Wand, an welchen du deinen Dudelsack hängst, sollte keine Außenwand sein. Wie das mit den ganzen modernen Wärmedämmungen ist weiß ich nicht, generell ist es aber so, dass sich die Außenwand im Sommer stärker erwärmt und um Winter stärker Abkühlt. Die Problematik wirst du dann aber wohl schon von Gitarren kennen.
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    • Hallo,

      ich bin's mal wieder mit einer Angfängerfrage, es geht um das Thema Verzierungen.

      Ich lerne ja hauptsächlich mit der Sackpfeifen-Fibel. Zur Zeit bin ich noch bei Band 1 und meine Verzierungen beschränken sich noch auf einfache tiefe und hohe Vorschläge. Zur Zeit spiele ich recht viel und lerne neue Lieder, um das Druckhalten zu festigen.

      Bei den Liedern im Buch sind die Verzierungsnoten immer eingezeichnet. Wenn ich aber andere Lieder lerne, wo ich keine Verzierungsnoten dazu habe, versuche ich diesen Stil aus der Sackpfeifen-Fibel so gut wie möglich zu übertragen. Das funktioniert mal mehr, mal weniger gut.

      Gibt es da spezielle Muster, nach denen man Vorschläge einbaut? Oder kann man da sogar was direkt falsch machen? Oder ist das generell einfach Geschmackssache? Ich habe schon öfter gelesen, dass man mit Verzierungen eher sparsam umgehen soll, um die Melodie nicht zu überladen.

      Lernt ihr Verzierungen für Marktsack-Lieder auswendig und spielt immer gleich oder improvisiert ihr das während dem Spielen und spielt dasselbe Lied jedesmal ein bisschen anders? Oder macht ihr euch gar keine Gedanken und spielt ganz automatisch irgendwas? :D
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    • Vorschläge und Verzierungen werden so eingesetzt, dass der Rhythmus des Stückes zusätzlich betont wird,
      du sollstet daher auf Ganze und/oder punktierte Noten achten.

      Einfachste Variante wäre bei einem Stück im 4/4-Takt die Betonung auf "1 und 3" oder "2 und 4".

      Variationen lernst du am Besten, indem du dir die verschiedenen Versionen aufschreibst und vom Blatt spielst.
      Mit der Zeit wirst entwickelst du ein Gefühl dafür wo, welche Verzierung passt und erst dann ist Improvisation möglich.

      Hier ein Stück das mir persönlich gefällt:




      Ohne Gracings

      Mit Gracings, Seite 71


      Das Stück ist in 4 Teile gegliedert, wenn du dir den ersten Teil anschaust, stellst du fest das jeweils für den ersten und dritten Takt der jeweiligen Zeile die Betonung auf "1 und 3" liegt,
      werden in der ersten Zeile für Takt zwei nur die "2" und für Takt vier die "3" betont, in der zweiten Zeile sind es "2" und "4".
    • Meticus schrieb:

      Gibt es da spezielle Muster, nach denen man Vorschläge einbaut? Oder kann man da sogar was direkt falsch machen?
      Sackpfeifen-Traditionen in direkter Linie haben fast immer ein eigenes Reperoire mit eigener spezifischer Spieltechnik und eigenem Spieltechnikanwendungsmuster. Beispiele: GHB & Pibroch, französische Sackpfeifen, balkanische Gajda, spanische Gaita, usw. Diese Traditionen wenden die Techniken in einer spefifischen Manier an um die Stücke eben so klingen zu lassen wie sie klingen. Leider haben wir hierzulande bei Hümmelchen und Schäferpfeife eine gebrochene Tradition und keinerlei Quellen wie, mit welcher Spieltechnik und Darbietungsweise diese Instrumente zwischen dem 16 und 18 Jh. gespielt wurden. Die deutsche Schäferpfeiferszene orientiert sich z.B. größtenteils (und verständlicherweise) am französischen Sackpfeifenspiel und -technik, das ist aber auch der Grund warum sie nur bestimmte Kategorien von Stücken spielen - kaum jemand gibt da deutsche Volksliedklassiker wie. z.B. "Horch wer kommt von draußen rein", "Muss I denn zum Städtele hinaus" oder "Auf auf zum fröhlichen Jagen" zum Besten. Man kann rein technisch "Alle Vögel sind schon da!" auf der GHB mit Schottentechnik spielen, die klangliche Chimäre wird aber einfach zum Weglaufen klingen. Woher weiß ich das? Habs mal gemacht... :whistling:

      Was man meiner eigenen Erfahrung nach NICHT machen sollte, ist einfach mal aus verschiedenen Sackpfeifertraditionen die Techniken und Darbietungsschemata einfach 1 zu 1 übernehmen und in ein Stück mit Gewalt reinquetschen. Es hört sich ja immer toll an was die Profis mit ihren Fingern so alles anstellen können, die Profis WISSEN aber was zu welchem Stück passt und was nicht. Anhand deines YouTube channels sehe ich dass du @Meticus vor allem Marktsack-Standards spielst - diese Stücke haben mehrere Jahrzehnte Spielpraxis durchlaufen und die Spieltechnik, die dazu am besten passt, wird eben beim Thomas Zöller in seinen beiden "Sackpfeifenfibeln" (Band 1 und 2) bestens auf den Punkt gebracht. Ich würde seinen Anweisungen in diesem Bereich folgen. Mit der Zeit erkennst du auch die Muster.

      Um die Techniken improvisieren zu können muss man wissen was zu den Stücken, die man spielt, auch passt. Sonst läuft man die Gefahr dass man einfach anfängt mit den Fingern herumzuwackeln und die Quietscher und die schiefen Griffe als "Stilmittel" erklären zu wollen.
      "Slow equals smooth and smooth equals fast"
    • Viel gute Musik hören und analysieren. Dinge die man gut findet übernehmen.

      Aufpassen, dass man seine Verzierungen an den richtigen Stellen platziert. Aus eigener Erfahrung gesprochen gibt es Finger, die einfacher flutschen als andere. Also solche, wo eine Verzierung sehr einfach und schnell platziert wird. Das verleitet dazu beim jeweiligen Finger eine "Verzierung" "reinzuhauen" auch wenn diese an der falschen Stelle in der Melodie ist.
      Wenn man ein Stück lernt, entweder schon direkt beim Erlernen darüber nachdenken wo man Verzierungen platzieren kann oder im Anschluss darüber nachdenken wo man Verzierungen platzieren kann.
      Bis die Verzierungen von alleine und an der richtigen Stelle kommen, dauert es dann nur noch ein bisschen.


      Variationen dann ausarbeiten, wenn das Grundspiel der Melodie solide ist. Einfach geht es, indem man sich ein Arrangement nieder schreibt.

      Zb so:

      Grundmelodie, eventuell sogar vereinfacht.
      Grundmelodie, normal.
      Geringe Abweichung der Grundmelodie, nur einzelne Takte.
      Etwas mehr oder andere Abweichungen der Grundmelodie, andere Takte als davor.

      Spätestens jetzt kennt der Zuhörer die Melodie schon und weiß auch, dass Abwechslung reinkommt. Das macht das Stück interessanter.

      Die Variationen der vorhergehenden Durchgänge kombinieren. (Vollgas geben)
      Man kann die Melodie nun sogar sehr stark Umbauen, aber der Kern der Grundmelodie sollte erkennbar sein: Ryhtmus, Taktzahl, Akkorde und das "Feeling".

      Ich kenne nun zwei Effekte die man zum "Schluss" bewirken kann.

      Entweder man geht mit dem Karracho, das man angestellt hat, aus dem Stück raus oder
      man geht wieder langsam auf die Grundmelodie zurück. Das diese eindeutig erkenntbar ist und wieder Ruhe einkehrt. Es sollte aber keine Vollbremsung sein.
      Einfach langsam vom Variations-Gas runter gehen.


      Ein Set zusammenstellen ist auch etwas, das für Abwechslung sorgt.


      Improvisation will gelernt sein. Etwas, in dem ich auch noch total mies bin. Mein Lehrer sagte mal so etwas wie, wenn man sich viele Variationen ausarbeitet kommen die Improvisationen dann irgendwann von alleine. (Nicht Wortgenau :) )
      PDH - Preiset das Hümmelchen
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    • Besten Dank für eure Antworten!

      Gregorius schrieb:

      die Spieltechnik, die dazu am besten passt, wird eben beim Thomas Zöller in seinen beiden "Sackpfeifenfibeln" (Band 1 und 2) bestens auf den Punkt gebracht. Ich würde seinen Anweisungen in diesem Bereich folgen.
      Ja, das hatte ich meistens versucht so auch anzuwenden, war mir nur unsicher, ob ich das bei buchfremden Liedern auch richtig gemacht habe. Aber der Hinweis von @Schelmenkopf mit den Takten ist schon mal sehr gut, hab das mal bei einigen Liedern abgeglichen, die ich schon gespielt habe, anscheinend habe ich den Zöller-Stil meistens intuitiv schon ganz gut getroffen (zumindest für meine Verhältnisse).

      Bin schon gespannt, was mich in Band 2 erwartet. Aber ich bin mit den Liedern im ersten Band noch nicht ganz durch.
      Die Liste der Lieder, die ich lernen will, wächst leider schneller, als die Liste der Lieder die ich schon gelernt habe :D

      Manche Lieder habe ich in einer halben Stunde gelernt und andere übe ich schon seit Wochen und kann sie immer noch nicht flüssig spielen, obwohl ich sie vom Schwierigkeitsgrad gar nicht so unterschiedlich finde. Komisch manchmal.

      subi schrieb:

      Variationen dann ausarbeiten, wenn das Grundspiel der Melodie solide ist.
      Ja, so mache ich es meistens. Ich lerne erst die Grundmelodie auf der Blockflöte, dann schaue ich, wo ich bei Dauerstrom Noten trennen muss und danach noch, wo ich weitere Vorschläge platzieren könnte. Und dann lerne ich das auswendig.

      Manchmal kommen durch Verzierung und Notentrennung recht viele Vorschläge kurz hintereinander, da weiß ich immer nicht, wie ich hohe und tiefe am besten kombinieren soll. Gibt es da auch irgendwelche Regeln? Ich habe es dann immer nach Gefühl kombiniert, so wie es für mich am besten klang, also irgendwie abwechslungsreich, ohne den Flow des Liedes zu zerstören, wenn ihr wisst, was ich meine :D

      subi schrieb:

      Das verleitet dazu beim jeweiligen Finger eine "Verzierung" "reinzuhauen"
      So geht's mir immer beim Daverttanz. Die ersten 3 Parts sind recht dynamisch, da muss ich mich immer konzentrieren. Und der letzt Part ist dann ziemlich monoton und langsam mit vielen halben Noten, da juckt es auch immer in den Fingern "irgendwas zu machen" :rofl:

      subi schrieb:

      Mein Lehrer sagte mal so etwas wie, wenn man sich viele Variationen ausarbeitet kommen die Improvisationen dann irgendwann von alleine.
      Ok, dann mache ich mir dazu einfach gar keine großen Gedanken und warte geduldig auf diesen Tag :)
      Eventuell ist das auch eine Frage des Talents und vielleicht kommt dieser Tag bei mir gar nicht, in dem Fall einfach nur kurze Lieder spielen und kein Lied doppelt, dann sind Improvisation und Auswendiggelerntes auch nicht zu unterscheiden :rofl:

      Schelmenkopf schrieb:

      Hier ein Stück das mir persönlich gefällt
      Danke für die Links! Man braucht allerdings schon ziemlich schnelle Ohren, um diese Muster zu erkennen, ich hab's auf 50 % angeschaut 8o

      @AvB
      Da hier meine viele Fragerei meine persönliche Vorstellung bei weitem übersteigt, macht es vielleicht Sinn, das Thema in den Marktsack-Bereich zu verschieben? Vielleicht kann ein zukünftiger Anfänger sich hier auch noch ein paar nützliche Infos rausziehen.
      Blutiger Anfänger, aber metizinisch gut versorgt. Skål.
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    • Eine Regel.. hmm

      Trenntöne halten sich sehr gut an folgende Regel:

      Ist der nachfolgende Ton tiefer als die Note die man trennt, dann sollte der Trennton von oben kommen.
      Ist der nachfolgende Ton höher als die Note die man trennt, dann sollte der Trennton von unten kommen.

      Bei mehreren gleichen Tönen hintereinander sollte man dann auf den Ton nach der Kette achten.

      Das ist jetzt sehr vereinfacht ausgedrückt.

      Wenns zum Groove passt gibts ja noch Rappels(Staccato) oder Abphrasierungen (Portato).

      Welcher Ton es dann oben oder unten ist, das probiert sich am besten aus. Das Stück öfters durchspielen und an den jeweiligen Stellen dann andere Trenntöne ausprobieren. Können durchaus mehrere werden die gefallen, man sollte sich meiner Meinung dann aber auf einen für die jeweilige Stelle Festlegen, um die Sache nicht zu verkomplizieren.
      PDH - Preiset das Hümmelchen
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    • Meticus schrieb:

      Da hier meine viele Fragerei meine persönliche Vorstellung bei weitem übersteigt, macht es vielleicht Sinn, das Thema in den Marktsack-Bereich zu verschieben? Vielleicht kann ein zukünftiger Anfänger sich hier auch noch ein paar nützliche Infos rausziehen.
      Alles gut - sieh's als chat.
      die Suchfunktion funktioniert ja - sonst müsste ich mir jetzt noch ein Threadthema ausdenken :)
    • Zwischendurch mal wieder eine kleine Hörprobe. Planlos, wie ich bin, habe ich mal ein bisschen in einer DAW herum experimentiert.
      Den Marktsack habe ich doppelt eingespielt, um kleine Fehler zu kaschieren :D Die Melodie habe ich mir ausgedacht.
      Dazu ein paar Gitarrenakkorde geklimpert und zum Schluss noch virtuelle Strings und Drums mit dem Programm reingebastelt.
      Dafür, dass ich keine Ahnung hatte, was ich tat, ist es gar nicht so schlecht geworden :rofl:
      Das ist dabei rausgekommen...

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