Hallo alle. Es gibt zwar schon einen Thread für Thomas Rezanka, allerdings unter "Schäferpfeife" und ich lege hier mal einen neuen unter "Andere Dudelsäcke" an, weil es hier explizit um mein neues Hümmelchen gehen soll. Ich möchte in diesem Thread hier zweierlei: Einerseits möchte ich von meinem neuen Instrument berichten, andererseits aber auch von meinen Erfahrungen mit Thomas Rezanka als Hersteller und kontrastierend dazu auch mit meinen Erfahrungen mit anderen Herstellern. Ich möchte hier gerne eine Diskussion lostreten darüber, wie das Verhältnis Kunde/Hersteller sein sollte und de facto ist.
Zuerst zu meinem neuen Instrument: Ich hatte ja hier beschrieben, was ich für ein Instrument suche, also welche Möglichkeiten es haben sollte und nach möglichen Lösungsansätzen gefragt, weil es eben kein Instrument von der Stange sein sollte, sondern ein Instrument, das nach meinen Vorstellungen gebaut werden sollte. Nun ist es soweit und ich halte dieses Instrument in den Händen, bin schwerstens begeistert und unfassbar glücklich damit Gebaut hat es Thomas Rezanka, mit dem ich schon bei der Überarbeitung meiner Alt-Spielpfeife sehr gute Erfahrungen gemacht habe.
Zu meinem Instrument: Es ist ein vierborduniges Tenorhümmelchen mit Bordunen in C/D (Großbass), F/G (Bass), c/d (Tenor) und f/g/a (alt). Bestellt habe ich das Instrument Ende November bei Thomas, nachdem wir zunächst einige Mails geschrieben und abschließend die letzten Fragen telefonisch geklärt haben. Thomas, und das möchte ich hier noch einmal betonen, ist ein unglaublich netter Mensch. Und er ist nicht nur nett, weil er was verkaufen möchte, sondern weil er liebt, was er tut und weil er auch seine Kunden schätzt. Das merkt man. Zum Beratungsprozess bei Thomas und anderen Herstellern gehts aber unten weiter. Dieses Instrument erfüllt nun alle Wünsche und Kriterien, die ich hatte und ich bin sehr glücklich damit. Hergestellt ist es aus Zwetschgenholz mit Zierringen aus Grenadill und Ahorn und rotem Sack. Und (und das war mir wichtig): Die Spielpfeife hat zwei Klappen nach oben für den erweiterten Tonumfang. Die Griffweise ist barock (wie ich es mir gewünscht habe) und für das h/bb gibt es kein Doppelloch, sondern das bb wird mit einem Gabelgriff gegriffen - ebenfalls, wie ich es mir gewünscht habe. Kurz: Es ist genau das Instrument, das ich mir gewünscht habe. Es ist sehr sauber verarbeitet und klingt absolut atemberaubend. Mit der Mensur habe ich aktuell noch ein paar Probleme (vor allem mit dem tiefen c), aber das wird sich sicherlich mit Übung beheben lassen.
Bis ich dieses Instrument in den Händen halten durfte, war es allerdings ein weiter Weg und ich dachte schon, dass das nie klappen wird. Thomas war der letzte Instrumentenbauer, den ich diesbezüglich kontaktiert habe. Und zwar aus dem einfachen Grund, dass er keine Hümmelchen in Tenorlage auf seiner Website hat. Ich hatte also keine Hoffnung, dass er solche Instrumente überhaupt baut oder bauen kann, weil sie augenscheinlich nicht Teil seines Portfolios sind. Aber: Nachfragen kostet nichts - im Gegenteil. Vorher habe ich drei andere Hersteller kontaktiert (Namen nenne ich keine, weil ich niemanden an den Karren fahren will, sondern es mir um prinzipielle Dinge geht). Ich habe immer dieselbe Anfrage verschickt, nämlich mit meinen Wünschen zum Instrument und der Frage, ob sie solch ein Instrument für mich fertigen wollen.
Hersteller 1: "Joar, kann ich schon machen. Aber Klappen verbaue ich aus Prinzip nicht. Daher nur ohne Klappen."
Hersteller 2: "Was willst du denn mit Klappen? Damit kann man doch gar nicht vernünftig spielen. Wenn die so weit weg sind, weil die Mensur zu lang ist, kommst du ja gar nicht hinterher. Tief-C-Bordune baue ich keine, denn die sind so tief und so lang, die würde man gar nicht hören. Und eigentlich brauchst du das auch alles gar nicht."
Hersteller 3: Ich bekam nach einem Tag ein Angebot für ein solches Instrument, wo der Preis allerdings so absurd hoch war, dass ich nur noch mit dem Kopf schütteln konnte. Ich lehne mich ganz weit aus dem Fenster und behaupte, dass man mich mit dem hohen Preis abschrecken wollte, zu ordern. Dass man also eigentlich keinen Bock hatte, das Instrument zu bauen.
Und dann fragte ich bei Thomas an und seine Antwort war großartig und ich fasse einfach mal zusammen: Die Bordunkombination ist kein Problem (ich konnte sogar aussuchen, ob ich Bordunverkürzer wollte - wollte ich nicht). Tenorspielpfeifen stelle ich auch her, bislang allerdings ohne Klappen. Hier müsste ich erstmal experimentieren und die Klappen auch extra händisch anfertigen, aber auch das mache ich gern.
Also habe ich bestellt.
Zwischenzeitlich gab es dann auch Probleme, über die Thomas mich informiert hat. Wir haben dann gesprochen und Lösungen gefunden und nun habe ich trotzdem genau das Instrument, das ich wollte - und zwar ohne Abstriche. Thomas war der einzige Instrumentenbauer, bei dem ich mich als Kunde mit meinen Wünschen und Vorstellungen ernstgenommen gefühlt habe. Er hat nicht gefragt "was willst du denn damit?", sondern er hat sich bemüht, meine Wünsche umzusetzen. Bei Hersteller 2 kam ich dann in die unangenehme Situation, dass ich mich für meine Wünsche/Vorstellungen rechtfertigen musste. Ich musste erklären, warum ich dieses und jenes will und fühlte mich auch so ein Stück weit von oben herab behandelt. Sowas habe man ja noch nie gebaut und sowas mache man auch nicht, weil das ja auch totaler Quatsch sei.
Daher jetzt meine Frage: Habe ich denn als Kunde nicht das Recht, dass sich der Hersteller bemüht, meinen Wünschen nachzukommen, auch wenn es sich eben nicht um Standard-Instrumente handelt? Wie ist generell das Verhältnis Hersteller-Kunde? Verstehen sich manche Hersteller als Künstler, an deren Kunst man nichts aussetzen darf und an der man auch keine Änderungen zu wünschen hat? Sind sie das? Oder sind sie letztlich Dienstleister, die kundenorientiert arbeiten und versuchen sollten, die Kundenwünsche bestmöglich zu erfüllen?
Ich arbeite in einer Agentur, bin also auch im Dienstleistungssektor tätig und ich arbeite kundenorientiert. Wir schlagen dem Kunden vor, was wir empfehlen würden und wenn der Kunde ablehnt und anders will, dann machen wir es anders. Es geht nicht darum, umzusetzen, was wir wollen und was wir für richtig halten, sondern wir wollen, dass der Kunde zufrieden ist. Und genau diese Haltung habe ich eigentlich auch von Instrumentenbauern erwartet. Aber nur Thomas ist dieser Erwartung nachgekommen. Er hat sich mit großem Engagement bemüht, meine Wünsche und Vorstellungen umzusetzen und dafür bin ich ihm sehr, sehr dankbar
Zuerst zu meinem neuen Instrument: Ich hatte ja hier beschrieben, was ich für ein Instrument suche, also welche Möglichkeiten es haben sollte und nach möglichen Lösungsansätzen gefragt, weil es eben kein Instrument von der Stange sein sollte, sondern ein Instrument, das nach meinen Vorstellungen gebaut werden sollte. Nun ist es soweit und ich halte dieses Instrument in den Händen, bin schwerstens begeistert und unfassbar glücklich damit Gebaut hat es Thomas Rezanka, mit dem ich schon bei der Überarbeitung meiner Alt-Spielpfeife sehr gute Erfahrungen gemacht habe.
Zu meinem Instrument: Es ist ein vierborduniges Tenorhümmelchen mit Bordunen in C/D (Großbass), F/G (Bass), c/d (Tenor) und f/g/a (alt). Bestellt habe ich das Instrument Ende November bei Thomas, nachdem wir zunächst einige Mails geschrieben und abschließend die letzten Fragen telefonisch geklärt haben. Thomas, und das möchte ich hier noch einmal betonen, ist ein unglaublich netter Mensch. Und er ist nicht nur nett, weil er was verkaufen möchte, sondern weil er liebt, was er tut und weil er auch seine Kunden schätzt. Das merkt man. Zum Beratungsprozess bei Thomas und anderen Herstellern gehts aber unten weiter. Dieses Instrument erfüllt nun alle Wünsche und Kriterien, die ich hatte und ich bin sehr glücklich damit. Hergestellt ist es aus Zwetschgenholz mit Zierringen aus Grenadill und Ahorn und rotem Sack. Und (und das war mir wichtig): Die Spielpfeife hat zwei Klappen nach oben für den erweiterten Tonumfang. Die Griffweise ist barock (wie ich es mir gewünscht habe) und für das h/bb gibt es kein Doppelloch, sondern das bb wird mit einem Gabelgriff gegriffen - ebenfalls, wie ich es mir gewünscht habe. Kurz: Es ist genau das Instrument, das ich mir gewünscht habe. Es ist sehr sauber verarbeitet und klingt absolut atemberaubend. Mit der Mensur habe ich aktuell noch ein paar Probleme (vor allem mit dem tiefen c), aber das wird sich sicherlich mit Übung beheben lassen.
Bis ich dieses Instrument in den Händen halten durfte, war es allerdings ein weiter Weg und ich dachte schon, dass das nie klappen wird. Thomas war der letzte Instrumentenbauer, den ich diesbezüglich kontaktiert habe. Und zwar aus dem einfachen Grund, dass er keine Hümmelchen in Tenorlage auf seiner Website hat. Ich hatte also keine Hoffnung, dass er solche Instrumente überhaupt baut oder bauen kann, weil sie augenscheinlich nicht Teil seines Portfolios sind. Aber: Nachfragen kostet nichts - im Gegenteil. Vorher habe ich drei andere Hersteller kontaktiert (Namen nenne ich keine, weil ich niemanden an den Karren fahren will, sondern es mir um prinzipielle Dinge geht). Ich habe immer dieselbe Anfrage verschickt, nämlich mit meinen Wünschen zum Instrument und der Frage, ob sie solch ein Instrument für mich fertigen wollen.
Hersteller 1: "Joar, kann ich schon machen. Aber Klappen verbaue ich aus Prinzip nicht. Daher nur ohne Klappen."
Hersteller 2: "Was willst du denn mit Klappen? Damit kann man doch gar nicht vernünftig spielen. Wenn die so weit weg sind, weil die Mensur zu lang ist, kommst du ja gar nicht hinterher. Tief-C-Bordune baue ich keine, denn die sind so tief und so lang, die würde man gar nicht hören. Und eigentlich brauchst du das auch alles gar nicht."
Hersteller 3: Ich bekam nach einem Tag ein Angebot für ein solches Instrument, wo der Preis allerdings so absurd hoch war, dass ich nur noch mit dem Kopf schütteln konnte. Ich lehne mich ganz weit aus dem Fenster und behaupte, dass man mich mit dem hohen Preis abschrecken wollte, zu ordern. Dass man also eigentlich keinen Bock hatte, das Instrument zu bauen.
Und dann fragte ich bei Thomas an und seine Antwort war großartig und ich fasse einfach mal zusammen: Die Bordunkombination ist kein Problem (ich konnte sogar aussuchen, ob ich Bordunverkürzer wollte - wollte ich nicht). Tenorspielpfeifen stelle ich auch her, bislang allerdings ohne Klappen. Hier müsste ich erstmal experimentieren und die Klappen auch extra händisch anfertigen, aber auch das mache ich gern.
Also habe ich bestellt.
Zwischenzeitlich gab es dann auch Probleme, über die Thomas mich informiert hat. Wir haben dann gesprochen und Lösungen gefunden und nun habe ich trotzdem genau das Instrument, das ich wollte - und zwar ohne Abstriche. Thomas war der einzige Instrumentenbauer, bei dem ich mich als Kunde mit meinen Wünschen und Vorstellungen ernstgenommen gefühlt habe. Er hat nicht gefragt "was willst du denn damit?", sondern er hat sich bemüht, meine Wünsche umzusetzen. Bei Hersteller 2 kam ich dann in die unangenehme Situation, dass ich mich für meine Wünsche/Vorstellungen rechtfertigen musste. Ich musste erklären, warum ich dieses und jenes will und fühlte mich auch so ein Stück weit von oben herab behandelt. Sowas habe man ja noch nie gebaut und sowas mache man auch nicht, weil das ja auch totaler Quatsch sei.
Daher jetzt meine Frage: Habe ich denn als Kunde nicht das Recht, dass sich der Hersteller bemüht, meinen Wünschen nachzukommen, auch wenn es sich eben nicht um Standard-Instrumente handelt? Wie ist generell das Verhältnis Hersteller-Kunde? Verstehen sich manche Hersteller als Künstler, an deren Kunst man nichts aussetzen darf und an der man auch keine Änderungen zu wünschen hat? Sind sie das? Oder sind sie letztlich Dienstleister, die kundenorientiert arbeiten und versuchen sollten, die Kundenwünsche bestmöglich zu erfüllen?
Ich arbeite in einer Agentur, bin also auch im Dienstleistungssektor tätig und ich arbeite kundenorientiert. Wir schlagen dem Kunden vor, was wir empfehlen würden und wenn der Kunde ablehnt und anders will, dann machen wir es anders. Es geht nicht darum, umzusetzen, was wir wollen und was wir für richtig halten, sondern wir wollen, dass der Kunde zufrieden ist. Und genau diese Haltung habe ich eigentlich auch von Instrumentenbauern erwartet. Aber nur Thomas ist dieser Erwartung nachgekommen. Er hat sich mit großem Engagement bemüht, meine Wünsche und Vorstellungen umzusetzen und dafür bin ich ihm sehr, sehr dankbar
