Zwei Bassbordune

    • Zwei Bassbordune

      Hi,

      Ich hatte vor Jahren mal die Idee hier aufgeschnappt zwei gleiche Bassbordune - evtl leicht gegeneinander verstimmt- zu spielen.
      Hat seitdem jemand Erfahrungen sammeln können zwecks der Nutzbarkeit und vielleicht auch der Sinnhaftigkeit am Ende? Falls jemand Tonbeispiele hat oder verlinken kann wäre natürlich perfekt. Oder ist diese Idee eher ein Rohrkrepierer?
      Klaus Stecker Sackpfeife Modell 2
      Matthias Branschke Schäferpfeife Schulmodel
      Bodo Schulz Markthummel, mittelalterliche Schäferpfeife C offen, Petite Musette
      Christian Dreier kleine Rauschpfeife
      DegerPipe 3
    • Hallo Heiligsblechle,

      Du stellst da eine sehr interessante Frage im Raum, aber ich glaube nicht, dass deine Idee in der Praxis gut funktionieren würde und zwar aus akustischen Gründen....

      Die Oktave ist das stabilste Intervall in der Akustik, man sieht dessen Anwendung bei den meisten europäischen Dudelsackformen: Gaïta,schottische Highland Pipes, Cornemuses de Centre, Veuze, usw.
      Bei einer Oktave fallen alle Obertöne des Tenors genau mit den geraden Obertönen des Basses zusammen.
      Der Tenor-Bordun liegt Frequenzmassig näher an den tiefen Tönen der Spielpfeife und stützt diese. Der Bass liegt genau eine Octave darunter, das zusammen ergibt eine klangliche Balance zur Spielpfeife.
      Selbstverständlich gibt es andere Bordunkombinationen; in Quint- oder Quartabstand zu die Bassbordune, Beispielen dafür sind scottish Smallpipes, Hümmelchen, Dreibrümmchen, manchmal auch Schäferpfeifen, usw.

      Die Quinte ist nach der Oktave das reinste Intervall (Frequenzverhältnis 3:2).
      Der Quint-Bordun bringt seine eigene Obertonreihe mit. Durch das Zusammenspiel der Obertöne von Bass und Quinte entsteht ein voller, stehender Akkord, man verliert jedoch etwas an harmonischer Flexibilität.

      Die Quarte hat ein Frequenzverhältnis von 4:3, die Obertöne treffen sich seltener und erst weiter oben in der Frequenzskala.
      Ein Quart-Bordun erzeugt mehr Reibung mit den Obertönen des Basses. Er klingt oft 'dunkler' oder 'schwebender' als die Quinte und eignet sich besonders gut für Moll-Tonarten, ist aber schwieriger zum Stimmen.

      Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie kniffelig es sein kann, zwei gleiche Bordune aufeinander zu stimmen (zwei Tenordrones einer schottischen Pipe), das Ausbalancieren ist extrem feine Arbeit!

      Fazit:
      Zwei Bassbordune würden sich gegenseitig 'zerreiben'; es entsteht wahrscheinlich ein schwer zu kontrollierendes Schwebungssausen, statt ein sauberes, tiefes Klangfundament.... :ohnoschild:

      Nichts für Ungut,

      Henk

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Henk Slaats () aus folgendem Grund: Rechtschreibung...

    • Henk Slaats schrieb:

      Zwei Bassbordune würden sich gegenseitig 'zerreiben'; es entsteht wahrscheinlich ein schwer zu kontrollierendes Schwebungssausen, statt ein sauberes, tiefes Klangfundament....
      Hm, das finde ich ehrlich gesagt etwas sehr zu kurz gedacht.

      Es gab in der Vergangenheit mal Videos auf Youtube, bei denen Spieler entsprechendes probiert haben, grundsätzlich kann man hier definitiv einen Effekt erzeugen, der das Instrument lauter wirken lässt (bzw. wohl teils sogar lauter macht?), vergleichbar zum Akkordeon de.wikipedia.org/wiki/Tremolo_(Akkordeon). Hier wird ja auch über die Verstimmung der Zungen des selben Tons zueinander die Lautstärke des Instruments erhöht.
      "Wenn's ned qualmt, isses keine Zigarette." - Mattis Branschke, 2016
    • Hallo Rick, vielen Dank für deine Antwort.
      Das wirft ein anderes Licht auf die Sache und erklärt für mich auch Heiligsblechles Idee: 'zwei identische Bassbordune gleichzeitig spielen zu lassen, eventuell leicht gegeneinander verstimmt' besser.
      In deinem Beispiel wird dieser Tremolo-Effekt auf Akkordeons demonstriert.
      Ich frage mich jedoch, wie das in der praxis auf einem Dudelsack realisierbar ist.
      Wenn das Instrument mit einem Balg und stabilen Kunststoffrohrblätter ausgestattet ist, könnte es theoretisch klappen, aber selbst dann scheint es mir schwierig, zwei identische Bassbordune so präzise zu stimmen, um diesen Tremolo-Effekt zu erzielen.
      Selbst spiele ich mundgeblasene Dudelsäcke und verwende bei älteren Modellen Arundo-donaxrohre, auch für die Bordune.
      Meine Erfahrung damit ist, dass die Bordune beim Spielen verstimmen können und regelmässig nachgestimmt werden müssen.
      Bei zwei Bordune im Oktavabstand ist das relativ einfach, bei zwei identisch gestimmten Bordune, wie zum Beispiel die Tenordrones beim Schotten, ist das bereits schwieriger.
      Mit zwei gleichen Bass-Bordune, ohne die Referenz einer kleinen Bordun, dunkt mir das jedoch sehr schwierig.

      Henk
    • Nur meine ganz persönliche Meinung: Ich würde wahnsinnig werden und ständig automatisiert versuchen den Druck anzugleichen. Nur wohin der Druck soll würde mein Hirn wohl nicht wissen.
      Oder einfach das starke Bedürfniss verspüren sofort nachstimmen zu müssen. ;D

      An den Vergleich mit einem Akkordeon habe ich auch gedacht. Aber dort betrifft es jeden einzelnen Ton.
      Das wird tatsächlich gemacht, um mehr "Power" zu haben.
      Zb.: wird eine steirische Harmonika mit starkem tremolo für "Gasthaus-Musik" verwendet, aka Volkstümliche Musik.
      Dagegen werden steirische Harmonikas ohne Schwebung für echte Volksmusik bevorzugt.

      Meine steirische ist ohne Schwebung.
      Mein 2 reihiges franz. diato ist mit leichtem tremolo.

      Es stellt sich bei mir einfach die Frage: wenn man einen lauteren Bordun haben möchte, warum nicht einfach einen solchen bauen/bauen lassen?


      Aber ich kann auch noch folgendes dazu sagen: 2 Bordune die identisch gestimmt sind wirken auch schon kräftiger als nur 1 Bordun. Also müssen sie ja nicht wirklich verstimmt sein.
      PDH - Preiset das Hümmelchen
      You know, Internet is a dangerous thing with all that sheet music out there...
    • naja kaufen wirds noch nicht, ich wollte nur einmal schauen was die Gemeinschaft dazu sagt. Und die Antworten sind ja mal herrlich auseinander, schön zu sehen.

      danke soweit für die Antworten
      Klaus Stecker Sackpfeife Modell 2
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