Suche Hilfe nördl. Landkreis Osnabrück

    • Suche Hilfe nördl. Landkreis Osnabrück

      Hallo zusammen,

      ich suche jemanden aus dem Raum Alfhausen, Bersenbrück, Ankum, Bramsche, Rieste, Neuenkirchen oder Umgebung, der mittelalterliche Sackpfeife/Marktsack spielt und Lust hätte, mir regelmäßig etwas Unterricht zu geben bzw. gemeinsam mit mir zu üben.

      Ich bin kein kompletter Anfänger: Ich habe vor Jahren bereits über ein Jahr Unterricht bei Christian Dreier und habe auch einen seiner Kurse für mittelalterliche Sackpfeife mitgemacht.

      Da Georgsmarienhütte für eine kurze Unterrichtsstunde auf Dauer einfach zu weit ist, suche ich nun jemanden näher bei mir.

      Mir geht es vor allem darum, weiterzukommen, Fehler und unsaubere Angewohnheiten nicht einschleichen zu lassen und gemeinsam an Spieltechnik, Stücken, Verzierungen usw. zu arbeiten.

      Du musst kein professioneller Musiklehrer sein. Wenn du selbst sicher Marktsack spielst und dir vorstellen könntest, dein Wissen weiterzugeben, würde ich mich sehr über eine Nachricht freuen.

      Falls es für Euch nicht infrage kommt, Ihr aber einen Sackpfeifenspieler aus der Gegend kennt: Sehr gerne weitersagen oder den Kontakt herstellen.

      Danke!
    • Hmm... Das ist natürlich überhaupt nicht meine Sache, aber bist du sicher, dass die Marktsack so eine gründliche Arbeit mit einem Lehrer erfordert...? Und welche Musik planst du später darauf zu spielen? Auch wenn die Marktsack auf der Great Highland Bagpipe und den Rauschpfeifen basiert, ist sie in ihrer überwältigenden Anwendung primitiver als beide, viele Spieler spielen extrem primitive mittelalterliche Melodien, die selbst beschleunigt immer noch sehr einfach bleiben, und sie nach Gehör herauszuhören ist überhaupt nicht schwer. Selbst wenn man auf die Rockszene und die eher eigenen Parts für die Marktsack schaut – oft ist das immer noch ein um ein Vielfaches einfacheres Repertoire als das traditionelle Repertoire Frankreichs (Cornemuse, Biniou/Bombarda, Musette de Cour, und im Prinzip auch die deutsche Schäferpfeife, da sie in vielem mit der Cornemuse verwandt ist), Spaniens (Gaita), Großbritanniens (Highland/Lowland/Smallpipes) und all der nördlichen, östlichen und südlichen Dudelsäcke mit ihrem spezifischen Ansatz. Wenn du mit deinem Können die Standardbasis eines typischen Marktsack-Spielers abdecken willst – das kannst du selbst in einem Monat schaffen, haha, und danach einfach die Gleichmäßigkeit des Spiels feilen. Aber wenn du planst, die Marktsack experimentell zu nutzen – dann ist es dir viel nützlicher, Spieler anderer Dudelsäcke anzuschauen und anzuhören und das in dein Spiel zu integrieren. Die Marktsack ist nicht an sich primitiv, primitiv ist ihre Mainstream-Repräsentation, die sich seit ihrer Entstehung aufgrund ihrer ursprünglichen Bestimmung herausgebildet hat. Ich zum Beispiel habe fast von Anfang meines Dudelsack-Weges ein zusätzliches Loch für den zweiten Daumen in meine Marktsack gebohrt, um den für schottische Musik typischeren Dur spielen zu können, und spiele selbst bei meinen Straßenauftritten neben der standardmäßigen Mittelaltermusik und ein bisschen Neoskandinavischem (zum Beispiel Kalabalik) auch viel schottische Musik und allerlei Funk-Fusion (Danke an Bellowhead und Red Hot Chilli Pipers, nicht zu verwechseln mit RHCP), sowie etwas französische oder britische Musik (Danke an Blowzabella und Nigel Eaton) und spanische Musik (Danke an Carlos Nuñes und andere Leute). Dementsprechend übernehme ich manche französischen, schottischen, spanischen und sogar ein paar balkanische Ornamentierungen auf die Marktsack, indem ich Videos mit ihnen anschaue oder Musik anhöre. Mein Freund Nilz Sackwann (Varius Coloribus Experience) geht die Marktsack auch immer sehr experimentell an, in seinen Verzierungen kann man einen starken Einfluss der Balkanmusik und noch anderer Musik sehen. Insgesamt ist der Dudelsack laut und hell, mit kleinen Modifikationen kann man darauf sehr unterschiedliche Musik spielen, mir gelingt es relativ stabil, einige chromatische Momente mit Hilfe von Gabelgriffen und meinem zusätzlichen Loch zu spielen, sowie mit Hilfe eines raffinierten Manövers auf zwei stabile Töne über dem Grundtonbereich überzublasen. Aktuell arbeite ich an einem Prototyp mit Oktavklappe, damit man auf der Marktsack stabil mindestens anderthalb Oktaven spielen kann.

      Deshalb mein Rat an dich, da du ja schon bei Christian Dreier Unterricht hattest und bereits ein grundlegendes Verständnis hast – widme persönlich selbst mehr Zeit dem Dudelsack, wenn du auch ein Hümmelchen hast – übe zu Hause darauf, höre Melodien nach Gehör heraus, baue dir Muster auf. Was Fehler angeht – ich kann nicht sagen, dass es bei der Marktsack potenziell viele geben kann, es ist eine offene Griffweise, kein Überblasen, der Sack kann lässiger und epischer gehalten werden im Unterschied zur militärischen Haltung der GHB (und falls doch – schau bei erfahrenen Spielern ab, schau immer auf die Erfahrenen). Die obere Hand verschließt die Löcher oft mit den Fingerspitzen, die untere – mit den mittleren Fingergliedern bei gestreckten Fingern, auch wenn das eine schottische Grundlage ist, funktioniert sie auf praktisch allen Dudelsäcken hervorragend. Atmung – als Übung versuche, nur auf dem Sack allein zu spielen, indem du bewusst das Blowpipe loslässt, das ist nicht nur ein krasser Wow-Effekt, sondern auch eine ausgezeichnete Übung für den Armdruck und die Stabilität des Klangs (weil es mit dem Mund einfacher ist, gleichmäßig ständig nachzublasen, aber das zu oft zu tun ist eine schlechte Angewohnheit). Um diesen Effekt zu maximieren, will ich mir für meine Marktsack überhaupt relativ große Bälge selbst bauen und die Möglichkeit haben, sie wie eine Lowland-Pipe - Borderpipe, zu spielen. Insgesamt fällt mir sonst nicht viel ein, wo du dir einen Fehler angewöhnen könntest... Tatsächlich reicht in den meisten Fällen mir oder irgendeinem anderen erfahrenen Dudelsackspieler ein einziger Blick auf ein Video, wo du Marktsack spielst, um zu verstehen, wo du (meistens) einen Fehler machst, und eine Empfehlung zu geben, zu korrigieren. Nun, und außerdem dir ein paar Fragen zu den Empfindungen zu stellen. Ansonsten ist die Marktsack in ihrer Basis sehr einfach und intuitiv verständlich, um sie problemlos alleine zu meistern.

      Ich rate dir sehr, versteife dich nicht auf Noten – das ist eine miese Sache und eine schlechte Angewohnheit (gerade im Fall von so primitiver Musik ohne komplexe Mehrstimmigkeit. Nein, Noten zu verstehen ist nützlich, aber sich auf sie zu beschränken, wenn man Volksmusik spielt, ist eine widerliche Idee, ich habe eine bekannte Dudelsackspielerin, die sich als professionelle Saxophonistin herausstellt, für mich war es eine große Überraschung, dass sie viel primitiver spielt als ich, Mittelaltermusik nur nach Noten spielt und nichts nach Gehör heraushören kann), höre nach Gehör heraus, die überwältigende Mehrheit der Mittelaltermusik und die Tracks deiner Lieblingsbands sind sehr einfach herauszuhörende Melodien. Parallel dazu rate ich dir sehr, viel verschiedene Dudelsackmusik zu hören, ganz Europa wimmelt nur so von einer Menge Dudelsäcke, ungewöhnlichen Melodien und Verzierungen, es ist nützlich, das zu bemerken und in dein Spiel zu integrieren, auch wenn längst nicht alles in den Standardumfang der Marktsack passt, genauso wie sich nicht alle Verzierungen wirklich integrieren lassen. Nun, und wenn du die Standard-Mittelaltermusik schon sicher nach Gehör heraushören kannst, probiere etwas Komplexeres und Ungewöhnlicheres, so entwickelst du sowohl dein Gehör besser als auch zwingst du dich buchstäblich dazu, komplexere Läufe und Verzierungen hinzuzufügen. Grundlegende Verzierungen und Ornamentierungen kann man sogar mit Lernvideos für irische Whistles verbessern, da dieselben Vibrati und Ornamentierungen wie Cuts und Rolls problemlos auf die Marktsack passen und auch für andere Rohrblatt-Dudeln/Flöten nützlich sein werden.

      Entschuldige, dass es so viel Text ist, aber ich hoffe, dass er wenigstens ein bisschen nützlich sein wird. Wenn du konkrete Fragen beantworten musst, etwas empfohlen bekommen willst oder meine Einschätzung deines Spiels haben möchtest – du kannst mir auf Facebook schreiben (facebook.com/Haldjarvi/), ich bin dort nicht oft, aber ich prüfe regelmäßig die Nachrichten. Leider kann ich dir live in keiner Weise helfen, da ich auf der anderen Seite der Erdkugel lebe.
    • Hallo zusammen,

      @Haldjarvi
      Du schreibst viel und auch einiges was streitbar ist. Da möchte ich aber nicht im Detail drauf eingehen.
      Nur so viel:
      Es ist immer gut einen Lehrer oder erfahrenen Musiker zu haben, der einem das entsprechende Instrument näher bringt und etwas Anleitung gibt.
      Auch bei "einfachen" Instrumenten gibt es genug zu lernen und zu beachten. Auch wenn man sich keinen Murks aneignet kann man sich auf genug anderen Wegen das Leben schwer machen. Und auch beim Marktsack gibt es genug zu lernen und genug Techniken.

      Spieler oder Lehrer in der Nähe Osnabrück wüsste ich gerade nicht, aber Marco Engel (Taravas) und Timo Bark geben Onlineunterricht und sind jeweils sehr nette und kompetente Musiker.

      Grüße
    • @der_strolch,

      Nun, zweifellos passt mein Ansatz nicht zu allen, besonders wenn zu wenig persönliche Motivation da ist... Aber ich rate keineswegs von der Zusammenarbeit mit einem Lehrer ab, eher meine ich, dass das Instrument und das Repertoire nicht so komplex sind, dass man sich nur auf diesen Ansatz versteifen müsste. Ich kenne nicht wenige Leute, die sich zu sehr an den Unterricht mit einem Lehrer gebunden haben und nicht einmal versucht haben, selbstständig zu üben. Und infolgedessen über Jahre stagnierten, das ist eine schlechte Angewohnheit, wie ich persönlich finde. Ein Erwachsener wählt sein Hobby selbst, es so zu betrachten, als ob „mich jemand komplett an die Hand nimmt" – das ist etwas kindisch, wie mir scheint... Natürlich, wenn jemand in der Nähe ist, der am lebendigen Beispiel live unterrichten kann – das ist gut, aber würde ich die Rolle eines solchen vorübergehenden Lehrers übernehmen – würde ich nur die Grundlage und die Richtung vorgeben, wie in diesem Beispiel Christian Dreier es gemacht hat, und danach nur noch den Fortschritt beobachten und ab und zu Ideen/Herausforderungen einwerfen.
    • Ich bin ebenfalls der Meinung, dass es eine hervorragende Idee ist, sich einen Lehrer / Spielpartner zu suchen. Ja, auch ich spiele und übe viel allein, aber ohne Impulse von außen fände ich mich einfach supertoll - nach dem Motto "ich wüsste nicht, was ich noch verbessern sollte". Wirklich weitergebracht haben mich das Feedback und die neuen/anderen Ideen.
      "Nemo intendit murum construere" - Hadrian