Ich wollte nur mal sagen, dass...

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    • ... ich mich freue das mein Instrumentenbauer sich Heute doch noch auf meine Email gemeldet hat.
      Hat sich damit etwas Zeit gelassen, der Gute.

      Mein Hümmelchen bekommt jetzt das zweite Daumenloch und einen zweiten Bordun spendiert.
      Die mag den kleinen Jammerbeutel einfach und ich denke das er damit noch besser klingen wird.
      Der Idealismus wächst mit der Entfernung zum Problem.
      (John Galsworthy)
    • ... meine Wenigkeit schon immer dagegen war dass der Marktsack als "Mittelalterdudelsack" bezeichnet wird, denn er ist ein durch und durch modernes Instrument! :nono:

      Ich behaupte von mir schon eine ganze Menge historischer Sackpfeifenabbildungen gesehen zu haben, und ich kann mich an keine Einzige erinnern wo die Position der Finger des Sackpfeifers eine offene Griffweise auch nur angedeutet hat. Insgesamt könnte man alle historischen Sackpfeifer-Abbildungen in drei Kategorien unterteilen: 1). alle Finger liegen auf der Spielpfeife, 2). die Finger sind kreuz und quer angeordnet, ohne erkennbare Regelmäßigkeiten, und 3). untere Hand zu, obere Hand offen bzw. unten zu, oben ein Gabelgriff. Hier sind ein Paar historische Beispiele:

      Georg Philip Rugendas, 18 Jh. - oben auf unten zu, sieht halbgeschlossen aus
      Jan Steen, 17 Jh. - sieht halbgeschlossen aus
      Brueghel, Mitte 16 Jh. - oben auf unten zu (rechter Sackpfeifer), unten zu oben Gabelgriff (linker Sackpfeifer)
      Sebald Beham, 16 Jh. - keine Sackpfeife aber Schalmei, oben Gabel unten zu
      Ayala Altar, um 1396 - dasselbe Schema, ungewöhnlich detailliert
      Jacopo Di Cione, um 1370
      Diese letzte Abbildung ist eine totale Seltenheit, denn ich kenne keine andere aus dem 14 Jh. mit einer derartig sorgfältigen Fingerdarstellung. Und es sieht wieder mal halbgeschlossen aus und erinnert stark an Brueghel und die dicke Frau von Jan Steen.

      Viele historischen Maler/Zeichner hatten vom Sackpfeifenspiel vermutlich keine Ahnung, deswegen zeigen die meisten Darstellungen entweder alle Finger auf der Spielpfeife oder eben kreuz und quer, je nach Fantasie des einzelnen Künstlers. Was die scheinbare "Halbgeschlossenheit" angeht, man könnte vielleicht sagen, es ist eine künstlerische Konvention, die wir hier sehen. Deswegen wäre es sinnvoll wenn wir spätmittelalterliche Blockflötenspieler-Abbildungen anschauen.

      Michael Astrapas, nach 1315 - oben ist definitiv zu, unten unklar dargestellt
      La Virgen con el Niño, um 1385 - alle Löcher zu außer dem unteren Zeigefinger.
      Zwei weitere Abbildungen - obere Hand zu bzw. alle Löcher zu

      Die "unten zu oben auf/Gabel" - Darstellungsregel scheint für Flöten nicht zu gelten, denn selbst später, in der Renaissance und Barock, wo die Griffweise der Blockflöte akkurat geschrieben und dargestellt wird (siehe auch HIER), haben wir immer noch dicke Frauen welche scheinbar ihre Sackpfeifen genauso greifen wie im 14 Jh., deutlich anders wie Blockflöten. Bisher habe ich noch keine einzige Abbildung zwischen dem 14-18 Jh. gesehen, wo eine Blockflöte nach dem "unten zu oben auf" - Schema gegriffen wird.

      ... damit gesagt werden soll, dass die Hinweise spärlich sind, aber dennoch die Verbreitung der halbgeschlossene Griffweise für konisch geformte/gebohrte Rohrblattinstrumente nahe legen, zumindest für West- und Mitteleuropa ab dem 14 Jh. Bis heute kenne ich die offene Griffweise für Sackpfeifen als eine moderne Entwicklung bzw. als Versuch außereuropäische Instrumente wie die Zurna auf das europäische Mittelalter zu übertragen.

      ... ich glaube dass die einbordunige Schäferpfeife in G laut Stimmung und Griffweise die Bezeichnung "Mittelalterdudelsack" weit mehr als der Marktsack verdient. ^^

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Gregorius ()

    • ... man darum vor jeder Aufnahme den Preamp zuerst auf das entsprechende Instrument einpegelt - und es sein kann, dass man nachpegeln muss, weil der Musiker plötzlich viel lauter wird, als am Anfang / beim Soundcheck. Alles schon erlebt - auch live im Theater/beim Musical, wo's die Leute eigentlich wissen sollten resp. sie wöchentlich mindestens einmal ein Mikro im Gesicht kleben haben... XD

      OT: Ich wollte nur mal FRAGEN, ob.... das mit dem Metal + Dudelsack ernstgemeint war, weil... die Kombination ist alles andere als neu. =P
      • "Kaum macht man's richtig, schon funktioniert's."
      • "Wenn's ned grooved, isses für'n Arsch." - Mattis Branschke
    • Ich weiß dass der Römische Dudelsack sehr nach E Gitarre klingt und auch unzählige hoch d's bei meinem D-Rohrblattversuchen.... aber beim Bock wars mir neu ;)

      Naja, meine mein zoom H5 per Kabel an meinen camcorder angeschlossen. Hatte nur auf die Pegel am Zoom geachtet. Der Camcorder selbst hat aber alles nochmal hochgedreht.
      Im Endeffekt wurde Audio und Video dann seperat aufgenommen da mit dem mir zur Verfügung stehenden Klinker Kabel ein tolles rauschen zu hören ist. :(
      PDH - Preiset das Hümmelchen
      You know, Internet is a dangerous thing with all that sheet music out there...
    • ... dass die Bagpipe Association of Germany e.V. schon seit Anfang 1980er eine feste Größe der deutschen Sackpfeifenszene ist.
      Dementsprechend war ich neugierig als ich deren Seite besuchte und die Sparte "Geschichte" anklickte, da ich mich bekanntlich für historische Quellen interessiere.

      http://www.bagev.de/die-geschichte-der-deutschen-piping-szene/ schrieb:

      Der 30jährige Krieg war vorüber und Deutschland lag in 300 Scherben am Boden. Dies bedeutete auch den Abgesang des deutschen Dudelsacks. Viel später, 1945, zum Ende des 2. Weltkrieges, mit dem Auftauchen der britischen Besatzungsmacht und weil der Rest der Welt glaubt, fast jeder Schotte spiele Dudelsack und mit dem Auftauchen der amerikanischen Besatzungsmacht und weil der Rest der Welt glaubt, fast jeder Amerikaner habe schottische Verwandte, kam der Dudelsack nach Deutschland zurück.
      Jetzt bin ich leicht verwirrt... Zuerst haben wir genug schriftliche und bildliche Quellen aus dem 18 Jh. welche Schäferpfeifen, Böcke und Co. belegen (was logischerwiese heißt vom "Abgesang" kann nicht die Rede sein), und dann habe ich mich gefragt wie es sein kann dass der Dudelsack ab 1945 nach Deutschland zurück kam, wo die Sorben, Egerländer und Bayern zum Teil bis heute eine lebendige direkte Bockspieler - Tradition vorweisen können. Soweit ich mich entsinnen kann sind Sorben mit ihrer ungebrochenen Bock-Tradition nach wie vor deutsches Staatsterritorium, vor und nach 1945.


      http://www.bagev.de/die-geschichte-der-great-highland-bagpipe/ schrieb:

      Jedes Land auf dem europäischen Kontinent hat irgendwann seinen eigenen Dudelsack entwickelt; die Italiener wie die Franzosen, die Russen wie die Schweden – und all die anderen Staaten gleichermaßen. Von einer Kultivierung des Instruments läßt sich allerdings nicht so einfach sprechen. Meistens reichte es nur zu selbstgemachten, individuell unterschiedlichen Regeln und Volksunterhaltung oder Volksbelustigung.

      das Instrument erlitt Bezeichnendes für das Show-Geschäft: es wurde einerseits domestiziert, leise gemacht, gequält zu höfischer Verspieltheit bis es schließlich ganz verschwand – oder man ließ es andererseits absacken zum Bettlerinstrument, bis es auch hier verschwand.


      Heute, im 20. Jahrhundert nach Chr., regen sich Europaweit suchende Grüppchen; aber so viele es auch werden mögen, werden sie ihren Fund doch wieder verlieren und eine weitere romantische Phase in der Musikgeschichte sein, wenn sie sich nicht daranmachen, für eine Kultivierung des Instruments zu sorgen, indem sie ihm eine logische, einheitliche, bindende, den Klang am besten darbietende Technik (Bohrungen, Griffweise, Rohrblätter usw.) geben.
      Bei mir entsteht der Eindruck als wolle der Verfasser hier sagen dass im übrigen Europa, außerhalb Schottlands, es meist nie zu einer Vereinheitlichung der Instrument-Konstruktion, Griffweise, Spieltechnik und Darbietungskultur kam, die meisten Nicht-Schotten nutzten ihre Instrumente sozusagen "frei Schnauze" zur Unterhaltung und Belustigung der Massen ohne dass sich eine Darbietungskultur bzw.- Regel herausgebildet hat, jenseits der höfisch-romantischen Veranstaltungen für welche der Dudelsack "domestiziert" und "kaputtgezüchtet" wurde.

      Es kann ja durchaus sein dass Bulgarien, Mazedonien, Bretagne, Spanien und Böhmen (um einige zu nennen) für den Verfasser nicht zu Europa zählen, wo eben traditionell festgelegte Darbietungsabläufe, Spieltechniken, spezielles Repertoire und mehr oder weniger einheitliche Instrument-Konstruktionen und Stimmungen sich durchaus als "Kultivierung" bezeichnen lassen. Ich für mich kann zwischen dem traditionellen Vortrag eines гайдар, eines böhmischen Bockspielers und eines Solo-Pipers prinzipiell kein "Kultivierungsgefälle" sehen, weder in Bezug auf Darbietungsregel, Spieltechnik und einheitlicher Instrumentenkonstruktion, noch auf die Rolle die der jeweilige Pfeifer in seiner eigenen Kultur hat.

      Nur um einen drauf zu setzten - eine logische, einheitliche, bindende und den Klang am besten darbietende Technik (Bohrungen, Griffweise, Rohrblätter usw.) besteht schon lange in der Marktmusik! Das Instrument = a-dorischer Marktsack von Güntzel, so verbreitet dass es locker als "Standard" gelten kann. Spieltechnik - Vorschläge, Vibrato und Triller als Haupttechniken benutzt fast jeder MarktmuKKer. Darbietungsregeln und Kontext - Mittelaltermarkt, schäbig aussehende Bühne, min. zwei halbnackte Sackpfeifer die nur das Nötigste ihres Körpers mit brachial aussehender Lederkleidung bedecken. Sprache - Marktsprech. Wenn das mal kein hoher Grad an "Kultivierung" sein soll... :D

      Ironie hin oder her, ich habe den Eindruck dass Organisationen wie BAGEV eben nur in ihrem eigenen Teich fischen, denn ihr Blick über den Tellerrand scheint nicht sehr weit zu gehen.

      /rant

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Gregorius ()

    • Ich gebe dir völlig Recht - dieser Abriss ist nur mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung zu vertreten... die dudelsackvernichtende Wirkung des Dreißigjährigen Krieges ist aber ein interessanter Aspekt. Ich dachte bisher immer, es läge an der Veränderung der Musik und der Kompositionstechnik selbst (Polyphonie etc.), dass Dudelsäcke mehr und mehr aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwanden - man lernt ja nie aus. Ob das nun ein "Niedergang" ist...

      Aber gut: Europäische Dudelsackgeschichte aus Schottenpipersicht. Kultivierung DES Instruments - albern. Es würde auch niemand Trompeten und Tuben in einen Topf werfen und als EIN Instrument bezeichnen. Vereinheitlichung - aus Schottenpipersicht vielleicht ein verständlicher Ansatz, weil es da immer sehr stark genau darum geht, aber sonst möchte das, glaube ich, niemand. Ob die Verfasser um die teilweise ja gravierenden Unterschiede zwischen den einzelnen Dudelsacktypen (und deren historische Hintergründe) wirklich wissen?Schöner Fund mit Kuriositätsbonus!
      Planung ersetzt den Zufall durch den Irrtum.
    • ... dass ich bisher gedacht habe das Marktstück Totentanz stamme aus dem "Geschichte des Tanzes in Deutschland" (1886) von Franz M. Böhme. Vor etwa 2 Monaten habe ich das Digitalisat dieses Buches durchstöbert aber keinen "Totentanz" gefunden. Jetzt aber hab ich es entgültig raus! :)
      Der berühmte "Totentanz", hoch und runter gespielt auf Märkten, ist weder 14 Jh. noch von Böhme, sondern ist eine Variation von La Follia eines Stückes aus dem Barock, welches u.a. von Arcangelo Corelli, Antonio Vivaldi und Francesco Geminiani interpretiert wurde, wobei die Version von Vivaldi bekannter und leichter als "Totentanz" zu erkennen ist.

      Wer hätte wohl erwartet dass Marktmusiker tatsächlich Vivaldi spielen? :D
    • Tach,
      klar ist bei Böhme ein "Todtentanz" drin und zwar der altbekannte Einteiler, ebenda als Nr. 305. Sogar als Satz. :meldschild: Ist auch so Ende der 70er schon von Liederjan eingespielt worden. Auf Märkten hört man häufig die Version aus dem sog. "Codex Verus", Seite 45. Auf Authentizität dieser Fassung würde ich aber nicht all zu viel geben, da die Szene meiner Beobachtung nach über wenig "Aktenkenntnis" verfügt und sich oft was zusammendudelt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von lego () aus folgendem Grund: Dreckfuhler

    • dinorider61 schrieb:

      klar ist bei Böhme ein "Todtentanz" drin und zwar der altbekannte Einteiler, ebenda als Nr. 305. Sogar als Satz.
      Ahhh, jetzt... archive.org/stream/bub_gb_G6MsAAAAMAAJ#page/n189/mode/2up
      Wenn man das Stück mit der Codex Verus 2.0 - Variante vergleicht (die MA-Version), da ergeben sich bereits ab dem 2 Takt Unterschiede. Im Großen und Ganzen aber erkennbar.
      Hier ist die La Follia von Vivaldi
      Im Endeffekt wird es aber egal sein welches das trU Original ist, wir sehen hier dass der MA - "Totentanz" eindeutig eine Bearbeitung / Neukomposition ist und folglich mit Urheberrechten versehen, wie "Merseburger Zaubersprüche", "Katjuscha", usw.